Gedichtpfad

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Gedichtpfad

Der Gedichtpfad ist ein Spazierweg im Hardtwald, an dem in einigen Abständen Texttafeln an markanten Bäumen angebracht sind. Die 13 Tafeln zeigen Gedichte und Zitate rund um das Thema Wald. Mehrere Sitzbänke entlang des Pfads bieten Gelegenheit zum Ausruhen, Entspannen und nachdenklichen Verweilen.

Lage

Der Gedichtpfad verläuft im Gewann Neuenacker zwischen Friedrichstaler Allee und Stutenseer Allee und liegt damit im Stadtteil Waldstadt. Der Einstieg in den Rundweg befindet sich westlich der Graf-von-Wiser-Eiche und ist von den beiden Alleen her ausgeschildert.

Dieser Ort im Stadtplan:

Texte

Tafel 1

Tafel 1
Wald um und in der Stadt
Ist das sicherste Mittel zu verhüten,
dass die Einwohner davonlaufen,
denn Wald gibt Lebensqualität.
    Rudolf Hanauer

Zu fällen einen schönen Baum
braucht's eine halbe Stunde kaum.
Zu wachsen, bis man ihn bewundert,
braucht er, bedenk es, ein Jahrhundert.
    Eugen Roth

Glaube mir, denn ich habe es erfahren
du wirst mehr in den Wäldern finden
als in den Büchern;
Bäume und Steine werden dich lehren,
was du von keinem Lehrmeister hörst.
    Bernhard v. Clairvaux

Tafel 2

Habt Ihr mal
drüber nachgedacht ?

Habt Ihr mal drüber nachgedacht,
wer wohl die grünen Blätter macht ?
Kein Mensch, und wär'er noch so schlau
Und wüßt er alles ganz genau,
könnt machen, dass an kahlen Zweigen
sich all die grünen Knospen zeigen.

Und doch bedeckt sich jedes Mal
Mit zarten Blättern ohne Zahl
Der Wald, der starr im Winter stand,
und frühlingsgrün wird rings das Land.

Wollt Ihr nun Gottes Wirken sehn ?
Ihr braucht ja gar nicht weit zu gehen!
Betrachtet alles mit Verstand,
dann spürt Ihr ständig seine Hand.
    Christel Süßmann

Tafel 3

Holz ist ein einsilbiges Wort,
aber dahinter verbirgt sich
eine Welt der Märchen und Wunder.
    Theodor Heuss

Weißt du was ein Wald ist?
Ist Wald etwa nur zehntausend Klafter Holz?
Oder ist er eine grüne Menschenfreude?
    Bert Brecht

Die Natur ist das einzige
das auf allen Blättern großen Gehalt bietet
    Goethe

Allmächtiger im Walde!
Ich bin selig, glücklich im Walde.
Jeder Baum spricht durch Dich.
O Gott, welche Herrlichkeit!
In einer solchen Waldgegend ist Ruhe
Ruhe, Ihm zu dienen.
    Ludwig v. Beethoven

Tafel 4

Ein alter Baum ist ein Stückchen Leben
Er beruhig. Er erinnert
Er setzt das sinnlos heraufgeschraubte
Tempo herab,
mit dem man unter großem Geklapper
am Ort bleibt

Und diese alten Bäume sollen dahingehen,
sie, die nicht von heute auf morgen
nachwachsen?
Die man nicht "nachliefern" kann?
    Kurt Tucholsky

Tafel 5

Die Wälder schweigen

Die Jahreszeiten wandern durch die
Wälder.
Man sieht es nicht. Man liest es nur
im Blatt.
Die Jahreszeiten strolchen durch die
Felder.
Man zählt die Tage, und man zählt
die Gelder.
Man sehnt sich fort aus dem
Geschrei der Stadt.

Die Seele wird vom Pflastertreten
krumm.
Mit Bäumen kann man wie mit
Brüdern reden
und tauscht bei ihnen seine Seele
um.
Die Wälder schweigen. Doch sie
sind nicht stumm.
Und wer auch kommen man, sie
trösten jeden

    Erich Kästner

Tafel 6

Gestutzte Eiche

Wie haben sie dich, Baum,
verschnitten,
Wie stehst du fremd und sonderbar!
Wie hast du tausendmal gelitten,
Bos nichts in dir als Trotz und Wille
war !

Ich bin wie du, mit dem
verschnittnen,
Gequälten Leben brech ich nicht
Und tauche täglich aus durchlittnen
Roheiten neu die Stirn ins Licht.

Was in mir weich und zart gewesen,
Hat mir die Welt zu Tod gehöhnt,
Doch unzerstörbar ist mein Wesen,
Ich bin zufrieden, bin versöhnt.

Geduldig neue Blätter treib ich
Aus Ästen huntertmal zerspellt,
Und allem Weh zum Trotzde bleib ich
Verliebt in die verrückte Welt
    Hermann Hesse

Tafel 7

Bäume sind für mich immer
die eindringlichsten Prediger
gewesen.
Ich verehre sie,
wennn sie in Völkern und Familien
leben,
in Wäldern und Hainen.
Und noch mehr verehre ich sie,
wenn sie einzeln stehen.

Sie sind wie Einsame.
Nicht wie Einsiedler,welche aus
irgendeiner
Schwäche sich davongestohlen haben,
sondern wie große, vereinsamte
Menschen,
wie Beethoven und Nietzsche.

In ihren Wipfeln rauscht die Welt,
ihre Wurzeln ruhen im Unendlichen.
Nichts ist heiliger,
nichts ist vorbildlicher
als ein schöner,starker Baum
    Hermann Hesse

Tafel 8

Jetzt rede du!

Du warest mir ein täglich Wanderziel,
Viellieber Wald, in dumpfen Jugendtagen,
Ich hatte dir geträumten Glücks so viel
Anzuvertrauen, so wahren Schmerz zu klagen.

Und wieder such ich dich, du dunkler Hort,
Und deines Wipfelmeers gewasltig Rauschen-
Jetzt rede du! Ich lasse dir das Wort !
Verstummt ist Klag` und Jubel.
Ich will lauschen.
    Conrad Ferdinand Meyer

Tafel 9

Abschlied
Oh Täler weit, oh Höhen,
O schöner, grüner Wald,
Du meiner Lust und Wehen
Andächt’ger Aufenthalt!
Da draußen, stets betrogen,
Saust die geschäft’ge Welt,
Schlag noch einmal die Bogen
Um mich du grünes Zelt!
    Joseph v. Eichendorff

Tafel 10

Wenn wir traurig sind
und das Leben nicht mehr gut ertragen können,
dann kann ein Baum zu uns sprechen:
Sei still! Sei Still! Sieh mich an!
Leben ist nicht leicht, Leben ist nicht schwer.
Das sind Kindergedanken.
Laß Gott in dir reden, so schweigen sie.

Bäume haben lange Gedanken, langatmige und ruhige,
wie sie ein längeres Leben haben als wir.
Sie sind weiser als wir,solange wir nicht auf sie hören.
Aber wenn wir gelernt haben, die Bäume anzuhören,
dann gewinnt gerade die Kürze und Schnelligkeit
und Kinderhast unserer Gedanken
eine Freudigkeit ohnegleichen.

Wer gelernt hat, Bäumen zuzuhören,
begehrt nicht mehr, ein Baum zu sein.
Er begehrt nichts zu sein, als was er ist.
Das ist Heimat. Das ist Glück.
    Hermann Hesse

Tafel 11

Ein Baum spricht:

Meine Kraft ist das Vertrauen
Ich weiß nichts von meinen Vätern,
ich weiß nichts von den tausend Kindern,
die in jedem Jahr aus mir entstehen.
Ich lebe das Geheimnis meines Samens zu Ende,
nichts andres ist meine Sorge.

Ich vertraue, dass meine Aufgabe heilig ist.
Ich vertraue, dass Gott in mir ist.
Aus diesem Vertrauen lebe ich.
    Hermann Hesse

Tafel 12

Bäume sind Heiligtümer.
Wer mit ihnen zu sprechen,
wer ihnen zuzuhören weiß,
der erfährt die Wahrheit.

Sie predigen nicht Lehren und
Rezepte,
sie predigen, um das Einzelne umbekümmert,
das Urgesetz des Lebens.
    Hermann Hesse

Tafel 13

Tafel 13 an der Graf-von-Wiser-Eiche
Dr. Wald

Wenn ich an Kopfweh leide und Neurosen,
mich unverstanden fühle oder alt,
wenn mich die holden Musen nicht liebkosen,
dann konsultiere ich den Dr. Wald.

Er ist mein Augenarzt und mein Psychiater,
mein Orthopäde und mein Internist.
Er hilft mir sicher über jeden Kater,
ob er aus Kummer oder Kognak ist.

Er hält nicht viel von Pülverchen und Pillen,
doch um so mehr von Luft und Sonnenschein!
Und kaum empfängt mich seine duft’ge Stille,
raunt er mir zu: nun atme mal tief ein!

Ist seine Praxis auch sehr überlaufen,
in seiner Obhut läuft man sich gesund,
und Kreislaufschwache, die kaum noch schnaufen,
sind morgen ohne klinischen Befund.

Er bringt uns immer wieder auf die Beine.
Und unsere Seelen stets ins Gleichgewicht,
verhindert Fettansatz und Gallensteine-
bloß Hausbesuche macht er leider nicht!
    Helmut Dagenbach

Sitzbänke

Auch die Sitzbänke tragen kurze Texte:

Lass dir Zeit
Ruhe dich aus
... genieße die Ruhe des Waldes
Wald
Wir alle leben davon
Warum nicht mal ausruhen