Kriegerdenkmal Berghausen

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Denkmal für die Opfer der Kriege

Das Kriegerdenkmal Berghausen ist ein Denkmal für die gefallenen Soldaten des Ersten Weltkrieges des heute zu Pfinztal gehörenden Ortes Berghausen.

Beschreibung

Informationstafel

Vorgeschichte des Denkmals in Berghausen

Bereits zu Beginn der 1920er Jahre regte der 1874 gegründete Kriegerverein Berghausen die Errichtung eines Gefallenendenkmals an. Ein Ausschuss beschloss dann, 1925 am Volkstrauertag (damals am 1. März) eine Sammlung zugunsten des Denkmals zu veranstalten. Mit einem Zuschuss der Gemeinde von 1.000 Mark kamen knapp über 2.000 Mark zusammen. Im Februar 1926 schlug der Kriegerverein den „Dreispitzenplatz“ vor dem Bahnhof als Standort des Kriegerdenkmals vor. Dem stimmte 1927 im Bürgerausschuss eine Mehrheit von 32 gegen 23 Stimmen zu. Daraufhin sammelten SPD, KPD und die Arbeitervereine etwa 900 Unterschriften (bei etwa 2.500 Einwohnern) und forderten eine Rücknahme dieses Beschlusses, da die Sammlung ausschließlich für ein Denkmal auf dem Friedhof getätigt worden sei. Die Gemeindeverwaltung taktierte in der Folgezeit in der Denkmalfrage auch wegen der nicht ausreichenden Finanzmittel hinhaltend.

Erst 1933 unternahm der Kriegerverein einen neuen Vorstoß und beantragte die Errichtung des Denkmals zum 60. Stiftungsfest des Vereins im Juli 1934. Im August 1933 tagte erstmals der Denkmalausschuss. Die vom Vorsitzenden gehaltene Eröffnungsrede dokumentiert deutlich den Geist, in dem dieser Ausschuss arbeitete. Die Deutschen, führte er aus, seien 1914 mutig und entschlossen ihrem Führer gefolgt. Viereinhalb Jahre lang habe man unter Aufopferung aller Kräfte die Grenzen des Vaterlandes verteidigt, bis der innere Feind den Truppen in den Rücken gefallen sei und das stolze Heer zur Niederlegung der Waffen gezwungen habe. Dies war das die Tatsachen leugnende ideologisch bestimmte Geschichtsbild der Feinde der "Weimarer Republik", die 1933 deren Untergang herbeiführten. Weiter beklagte er, dass in der Standortfrage in Berghausen die „marxistische Seite das Denkmal bisher verhindert“ habe. Nun aber ging es zügig voran. Die mit Hilfe von Fachleuten des Bezirksamtes in Karlsruhe erstellte Ausschreibung sah die Umgestaltung des Bahnhofsplatzes vor. Dieser hatte wegen der Nutzung als Platz für Festlichkeiten unterschiedlicher Art ein unschönes Entree in den Ort geboten. In der neuen Grünanlage sollte das Kriegerdenkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges aufgestellt werden.

Das Kriegerdenkmal und seine Gestalter

Den Wettbewerb um die Gestaltung des Denkmals gewannen der Karlsruher Bildhauer und Weltkrieg-I-Teilnehmer Karl Seckinger und sein Partner der Architekt Fritz Rößler. Die Gesamtanlage des Kriegerdenkmals bestand aus einer um drei Stufen erhöhten, ca. 9 x 5 Meter großen Plattform, die auf drei Seiten von einer halbhohen Mauer mit einer Hinterpflanzung umfangen war. Im Zentrum stand ein aus einem Block Buntsandstein gearbeiteter Soldat erhöht auf einem Sockel. Der mit Stahlhelm und Mantel dargestellte Soldat schreitet mit entschlossenem Blick nach Westen. Er trägt ein Gewehr und weitere Kampfausrüstung. An der Mauer wurden drei Tafeln mit den Namen der 82 Gefallenen des Ersten Weltkrieges angebracht. Darüber an der Mauerkrone befand sich die Inschrift: „Die im Weltkrieg 1914 – 1918 gefallenen Söhne Berghausens“.

Bereits in den 1920er Jahren zeichnete sich ab, was dann im nationalsozialistischen Deutschland offiziell gefördert wurde. In der typisierenden, kantigen Darstellung der Gesichtszüge und den gestählten Körpern wird der wehrhafte, stahlharte und vermeintlich unbesiegbare Frontsoldat propagiert. Für die NS-Propaganda symbolisierte er die militärische Wiederauferstehung Deutschlands, förderte den Revanchegedanken und bereitet so auf die Notwendigkeit eines neuen Krieges vor.

In dieser Tradition steht auch das Kriegerdenkmal in Berghausen mit seinem nach Westen ausgerichteten zum Kampf gerüsteten Soldaten. Im Evangelischen Gemeindeboten Berghausen vom Juli 1934 findet sich folgende eindeutige Beschreibung des Denkmals, die zugleich auch die damit verbundenen propagandistischen Inhalte aus der Sicht der Mehrheit der damaligen Bürgerschaft vermittelt: „Klaren Auges, fest in der Hand das Gewehr, den einen Fuß leicht erhoben zum Vormarsch bereit, sobald das Kommando ertönt – so wird die Gestalt des Kriegers … erinnern an die vielen, die auch aus Berghausen nach Westen zogen oder nach dem Osten …; erinnern die Jungen, dass sie Männer werden mit klarem Blick, mit fester Hand und bereit, ihr Leben einzusetzen für die Ehre und Freiheit des deutschen Vaterlandes.“

Das Kriegerdenkmal nach 1945

Nach 1945 ordneten die Sieger des Zweiten Weltkrieges „die Liquidierung deutscher militärischer und Nazi-Denkmäler“ an. Das Kriegerdenkmal in Berghausen weist zwar eindeutig militärische Bezüge auf, wie abertausende andere ähnliche Kriegerdenkmäler in Deutschland blieb es jedoch stehen. Das damit verbundene Totengedenken bewahrte sie vor dem Abriss. Den Franzosen war im Übrigen diese martialische Form des Gefallenengedenkens durchaus vertraut durch die Denkmäler in ihrer Heimat, die den deutschen in kriegerischer Haltung in nichts nachstanden.

Das Kriegerdenkmal in Berghausen hat den Krieg weitgehend unversehrt überstanden und blieb an seinem herausgehobenen Standort im Ortsbild. Nahezu überall, wo die alten Denkmäler unversehrt geblieben sind, wurden sie nach 1945 weiter benutzt. In Berghausen hat man das alte Denkmal unverändert belassen und darauf verzichtet, es durch die Verzeichnung der Gefallenen des Zweiten Weltkrieges zu erweitern. Ungeachtet seiner militaristischen und revanchistischen Aussage fanden hier in der ersten Nachkriegszeit die offiziellen Gedenkfeiern zum Volkstrauertag der Gemeinde mit Ansprachen und Kranzniederlegungen statt.

1961 stellte die Gemeinde auf dem Friedhof zum Gedenken an die Gefallenen beider Weltkriege einen übermannsgroßer Findling aus dem Murgtal auf. Der Findling trägt ein Kreuz und die Inschrift: „Unseren Gefallenen zum Gedächtnis 1914-1918 1939-1945“. Vermieden ist damit jedes kriegerische Pathos, jeder Versuch einer Sinnstiftung, jede Anklage - aber auch jede offen ausgesprochene Mahnung zur Vermeidung künftiger Kriege. Es kann nur angenommen werden, dass es diese Form des Gefallenengedenkens ist, die von einem Großteil der Gemeinde schon 1925-27 gewollt worden war. Nach mehreren Aussagen von Zeitzeugen wurden seitdem die Volkstrauertage auf dem Friedhof und nicht mehr vor dem Denkmal beim Bahnhof begangen. Dies lässt den Schluss zu, dass man sich mit diesem neuen Gedenkstein auf diskrete Weise von dem Denkmal vor dem Bahnhof distanzierte.

Standortwechsel 1987

NS-Soldat ohne Inschrift 2007

Im Jahre 1987 kam das Ende für die Anlage des Kriegerdenkmals am ursprünglichen Ort. Nach dem Beschluss des Gemeinderats von 1984 und einem Ideenwettbewerb wurde 1987/88 der südliche Bahnhofsbereich neu geordnet. Nach den Plänen des Wettbewerbssiegers Gerd Gassmann wurde das Denkmal in veränderter Form in den so genannten Bürgergarten der neuen Platzanlage umgesetzt. Statt auf einer erhöhten Plattform stand der Krieger nun ebenerdig in der umgesetzten Mauernische. Statt der Tafeln mit den Namen der Gefallenen – sie waren inzwischen teilweise verwittert und unleserlich – brachte man drei Sandsteinplatten an, deren linke die Inschrift trägt: „Den Gefallenen der beiden Weltkriege zum Gedenken“. Die mittlere Platte ist unbeschriftet, die rechte zieren mehrere Kreuze. Die Mauerkrone trägt keine Inschrift mehr. Der Blick des Soldaten war nicht mehr nach Westen, sondern nach Norden gerichtet.

Das Kriegerdenkmal stand somit nicht mehr so zentral wie zuvor, hatte einen Teil seines monumentalen Charakters und durch die Änderung der Blickrichtung seine feindselige Aussage gegen Frankreich verloren. Wie schon die Errichtung des Findlings lässt sich auch diese Maßnahme als ein Abrücken von dem nazistischen Gehalt des Kriegerdenkmals interpretieren, das aber zugleich die Tradition des Totengedenkens vor diesem Denkmal nicht leugnet.

Manchen Einwohnern schien freilich der neu Platz zu abgelegen und die Präsentation wohl auch als zu einfach, zu wenig inszeniert. Dazu kam, dass sich der Standort zunehmend als unwirtlich erwies. Verschmutzungen unterschiedlicher Art in der Umgebung und des Kriegerdenkmals selbst führten zu einer unwürdigen Situation für jene, die hier das Gefallenengedenken pflegen wollten.

Neuaufstellung 2004

Berghausener Kriegerdenkmal 2007 mit einer Installation weißer Friedenstauben als Bürgerprotest gegen seine Verlegung an diesen Standort.

Bei der Planung der Friedhofserweiterung in Berghausen kam deshalb der Gedanke auf, das Kriegerdenkmal dorthin zu verlegen. 1999 begrüßte der Ortschaftsrat Berghausens einstimmig, dass das „Ehrenmal … nunmehr einen würdigen Platz erhält.“ Der neuerlichen Verlegung möglicherweise entgegenstehende Argumente wurden laut Protokoll der Sitzung nicht vorgebracht. 2004, nach Fertigstellung des neuen Friedhofsareals, konnte gemäß dem Beschluss des Ortschaftsrats von 1999 das Kriegerdenkmal umgesetzt werden, allerdings geschah dies nur mit der Figur des Soldaten. Sie fand dort gerahmt von einer Kirschlorbeerhecke an exponierter Stelle ihren Platz.

Literatur

„Pfinztal intern. Das Magazin für Pfinztal“ 
Ausgabe 21, November 2006
Offner Brief an „Pfinztal intern. Das Magazin für Pfinztal“ 
Dr. Manfred Koch, Pfinztal, 5. November 2006
Gutachten zur Neuaufstellung des Kriegerdenkmals Berghausen
Gerhard Karl Huber (Bildhauer), Dr. Manfred Koch (Historiker), Karlsruhe/Pfinztal, 23. Februar 2005

Quelle

Der Artikel basiert auf dem Gutachten von Huber/Koch 2005, siehe Literatur.

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