Steckgraben

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Gewölbe am Ochsentor
Stadtplan v. 1888 mit eingezeichnetem Steckgraben
Steckgraben historisch

Der Steckgraben ist ein ehemals bedeutender Entwässerungskanal außerhalb der Stadtmauer Durlachs.

Wegen der Nutzung durch die Durlacher Fayence wurde er auch „Glasurgraben” genannt. Teile davon sind heute noch zu sehen, der Bereich in der Ochsentorstraße wurde um 1984 freigelegt[1].

Verlauf

Er verlief weitgehend entlang des mittelalterlichen Stadtgrabens, u.a. entlang der heutigen Seboldstraße. Der früher offene Graben wurde später in Stein gefasst und teilweise überwölbt und überbaut.

Er floss auch durch das Baugelände der katholischen Kirche St. Peter und Paul (Durlach) durch, wodurch sich deren Erstellung damals schwierig gestaltete.[2]

Funde

Nachdem beim Bau einer Tiefgarage neben der ehemaligen Kirche der AGAPE-Gemeinde in der Seboldstraße 6 ein überwölbter Kanal angeschnitten wurde, erschien am 21. März 1996 ein Bericht mit Foto im Durlacher Blatt, in dem nach der Bedeutung des „unterirdischen Ganges“ gefragt wurde. Vermutungen gingen in Richtung alter Wehrgänge, Fluchtwege aber auch einer Kanalisation. Vermutlich Hinweise von Anwohnern ermöglichten Mitgliedern der Höhlenforschergruppe Karlsruhe, das Kanalsystem zumindest abschnittsweise zu erforschen. So konnten in den Kellern der Anwesen Seboldstraße 6, 10 und 12 Zugänge zum Steckgraben gefunden werden. Teilweise führte der Weg des Kanals weit unter die Grundstücke angrenzender Häuser, teilweise war der Kanal an den Grundstücksgrenzen vermauert. Auf Höhe der Ecke Seboldstraße/Pfinztalstraße knickte der Kanal in Richtung Pfinztalstraße ab und vergrößerte sich im Durchmesser. Der Eigentümer des Anwesens Seboldstraße 22 berichtete, dass auf Veranlassung der Stadt der unter seinem Haus verlaufende Teil des Steckgrabens mit Beton vergossen wurde.

Beim Absenken des Bürgersteigs an der Ecke Lederstraße/Seboldstraße brach im Jahr 2000 ein Loch ein. Nach Grabungen fand sich unter einer dünnen Betondecke außerhalb des Gebäudes ein steinerner Kanaldeckel, der Zugang zum Steckgraben bot.

Namen

Die Bedeutung des Namens ist unbekannt, er wurde von älteren Durlachern überliefert. Es könnte sich aber um eine Verballhornung des Namens Stadtgraben handeln.

Nach dem Steckgraben ist das Steckgrabenfest des Elferrat Lyra 09 Durlach benannt, der bei Umbauarbeiten im Keller des Vereinsheimes Überreste des Grabens fand. Das Steckgrabenfest fand am 5. und 6. Juni 2009 in der Seboldstraße 30 statt.

Literatur

Das unterirdische Durlach, Materialsammlung – Mitteilungen der Höhlenforschergruppe Karlsruhe. Verfügbar in der „Pfinzgau-Bücherecke“ im Präsenzbestand der Stadtteilbibliothek Durlach

Fußnoten

  1. Tagebuch der Fächerstadt 1984, Seite 243.
  2. Die offizielle Webpräsenz der Stadt Karlsruhe zum Thema „Bau der kath. Kirche St. Peter und Paul“