Zucht- und Waisenhaus

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Das Zucht- und Waisenhaus ließ Markgraf Karl Wilhelm von Baden-Durlach in Pforzheim, der damals größten Stadt in der Markgrafschaft Baden-Durlach, ab September 1714 errichten. Es wurde nach dreijähriger Bauzeit fertiggestellt.

Allgemein

Aufgenommen wurden Waisenkinder, Geisteskranke, „Faulenzer“, Bettler und Vagabunden sowie Strafgefangene. Die Einrichtung sollte dazu dienen, diesen unterschiedlichen Personengruppen der Markgrafschaft eine Unterkunft und Verpflegung zu bieten. Außerdem sollten sie durch Arbeit beschäftigt werden. Von dem durch Arbeit erzielten Lohn mussten die Insassen die Unterkunft und die Verpflegung bezahlen. Erzielte Überschüsse zog der Staat ein.

Vorbilder für eine solche Anstalt gab es in Stuttgart sowie in protestantischen Städten in Norddeutschland.

Die Errichtung der Anstalt sollte auch zur Abschreckung dienen, da Karl Wilhelm mit der alleinigen Verhängung von Strafen die Kriminalität nicht eindämmen konnte. Diese hatte ihre Ursache im noch primitiven Rechtssystem, welches noch aus dem Mittelalter stammte. So verwendete man nicht nur in der Markgrafschaft das Bestrafungselement des Landesverweises. Hauptursache dürfte aber vor allem die herrschende Armut gewesen sein, die entscheidend durch die vorausgegangenen Kriege mit ihren Verwüstungen verursacht worden war. Darüber hinaus boten die Wälder der Markgrafschaft Räubern, Dieben und Wilderern einen guten Rückzugsraum.

Im Jahr 1718 waren dort etwa 200 Personen untergebracht.

Auch aufgrund der Unterschiedlichkeit der Gruppen war die erzielte Arbeitsleistung nicht von besonders hohem Wert. So konnten Knaben nur durch Schläge zur dauerhaften Arbeit in einer angeschlossenen Tuchmanufaktur zum Wollkämmen und Spinnen angehalten werden. Auch die Errichtung einer kleinen Kirche, die 1719 zur „moralischen Besserung“ errichtet und eingeweiht worden war, konnte keine bedeutende Besserung der Zustände erreichen.

Siehe auch