Gottfried Posselt

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Gottfried Posselt

Gottfried Posselt (* 12. März 1693 in Türchau/Lausitz; † 10. April[1] 1768 in Durlach) war evangelischer Kirchenrat.

Leben und Wirken

Gottfried Posselt studierte drei Jahre in Wittenberg Theologie. Seine erste Predigt in einem hielt er in einem Dorf nahe Wittenberg, worauf er sich akribisch vorbereitete: er feilte 14 Tage an seiner Aussprache und übte im Wald.

Da die Chance auf eine Anstellung in Sachsen gering war, nahm der den Vorschlag eines Kommilitonen an und ging 1715 nach Durlach. Dort wurde er recht freundlich aufgenommen. Ein anderer Kommilitone, Gottlieb Eisenlohr, verschaffte ihm eine Einladung bei seinem Vater Johann Jakob Eisenlohr, der Kirchenrat war. Mit Überbrückungsjobs hielt er sich über Wasser. Er konnte sein Landesexamen ablegen und wurde im September 1715 in Durlach und Hohenwettersbach als Stadtvikar angestellt. Davon konnte er allerdings nicht leben und er nahm eine kleine Pfarrstelle im Schwarzwald an. Eineinhalb Jahre später ging er nach Emmendingen, aber 1721 wurde ins neue Karlsruhe berufen als Hof- und Stadtdiakon. 17 Wochen später er wurde er zweiter Diakon in Durlach. Der Abschied fiel ihm nicht schwer, „weil ich in Durlach mehr Sicherheit, mehr Beständigkeit, mehr Freiheit und Freudigkeit des Gewissens zu finden hoffte”. Ab 1742 hatte er hier die Stadtpfarrstelle inne. Er predigte gerne, auch bis ins hohe Alter, obwohl er am Ende nur noch 5 Zähne hatte, die ihn beim Sprechen behinderten.

1763 bekam er den Titel eines fürstlichen Kirchenrats verliehen, den er mit Stolz, aber auch mit Demut aufnahm. So notierte er auf dem Durlacher Taufbuch: „angefangen 1745 von mir, Gottfried Posselt, Türcha-Zittaviensi, unwürdigen Stadt-Pfarrn zu Durlach, und nun seit dem 31. Octobr. 1763 unwürdigen Kirchenrath.”

Sein familiäres Leben war äußerst turbulent: Er hatte insgesamt drei Ehefrauen und 15 Kinder. Einer seiner Söhne, Philipp Daniel Posselt, wurde Verwaltungsjurist und Oberamtmann in Durlach, sein anderer Sohn Gottfried wurde ebefalls Pfarrer.

Mit seinen autobiographischen Aufzeichnungen hat er eine wichtige sozialgeschichtliche Quelle für die Durlacher Geschichte hinterlassen.

Gemälde

Ein 1772 von Johann Ludwig Kisling angefertigtes Ölgemälde von Posselt (bzw. eine Kopie des Bildes von einem Maler namens Douglas) lagerte seit der Renovierung der Stadtkirche Durlach bis 2009 im Badischen Generaldepot. Es wurde leicht restauriert und am 18. September 2009 in der Bibliothek des Evangelischen Gemeindehaus Am Zwinger mit einem kleinen Empfang wieder der Durlacher Gemeinde übergeben, dort hängt es nun auch.

Quellen

  • Dr. Peter Güß: „Gottfried Posselt, ein Pfarrerleben im 18. Jahrhundert” in „Gottes Haus am Markt – Das Evangelische Gemeindehaus Am Zwinger”, erschienen 2006, ISBN 3-923314-16-7

Fußnoten

  1. laut Landesbibliographie Baden-Württemberg, aber 13. April 1768 laut „Kleine Chronik von Durlach”