Bleiche (Bruchsal)

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Als „Bleiche“ wird in Bruchsal der Abschnitt zwischen Hans-Thoma-Straße, Bergstraße, und Annabach bzw. Badstraße bezeichnet. Der Name leitet sich aus der früheren Verwendung des Gebietes ab.

Geschichte

Das Gebiet der späteren Bleiche gehörte im frühen 14. Jahrhundert dem Johanniterorden, zunächst als selbstständige Komturei, ab 1426 als Teil der Haimbacher Komturei. Zu dem weitläufigen Garten gehörte ein Hofgebäude und eine Johannes-Kappelle, welche im 17. Jahrhundert zerstört wurde und als Ruine noch mehrere Jahrzehnte bestand. Zudem befand sich seit dem 16. Jahrhundert eim „Wildbad“ auf dem Gelände.

Im Jahr 1805 fiel das Gelände an den badischen Staat, der es zunächst verpachtete, später verkaufte. Der Pächter begann ab 1807 mit der schrittweisen Bebauung des Geländes: 1807 baute er ein 5m tiefes Kellergewölbe. 1817, vier Jahre nach dem Kauf, entstanden kleinere Gebäude entlang der Badstraße und 1822 eine Werkstatt. 1824 erwarb der spätere Bruchsaler Bürgermeister Ferdinand Engelhardt das Gelände und fuhr mit der Bebauung fort. 1827 kamen eine Remise und ein Stall und weitere Werkstätten dazu, 1847 ein Wohnhaus, welches bis zum Abriss 2004 existierte. Das Baujahr des namensgebenden Bleichhauses ist nicht bekannt. Über einen eigenen Zugang konnten zahlende Besucher am Annabach Wäsche waschen und auf einem Wiesenstück trocknen.

Mit dem Tausch gegen ein Haus in der Hoheneggerstraße und der damit verbundenen Übernahme durch Johann Nikolaus Becker begann eine Phase schneller Eigentümerwechsel, welche alle den Betrieb fortführten: 1862 Franz Bender, 1864 Johann Heinrich jr., 1874 Antonia Schädler, 1875 der Heidelsheimer Schafhalter Johann Georg Richter. Er erbaute das Badhaus für 12 Gäste. 1882 mit dem Küferehepaar Adam und Eva Tröstler begann eine konstantere Phase: Das Paar ergänzt den Betrieb zunächst um eine Daubholzhandlung und eine Branntweinbrennerei, und schließlich entsteht das Wirtshaus „Zur Bleiche“. Sie erhielt später den Namen „Zum Paradies“, abgeleitet aus den Vornamen des Ehepaars.

Nach Adam Tröstlers Tod im Januar 1919 führte seine Witwe den Betrieb zunächst weiter, verkaufte ihn dann aber an die erst kurz zuvor nach Bruchsal gezogenen Pallotiner. Die Wirtschaft wurde bis Januar 1925 noch weiterbetrieben, die Wohnung bis 1932 von Tochter Emma Tröstler bewohnt.

Die Pallotiner kauften das Gelände mit der Absicht, das spätere St. Paulusheim dort zu errichten. Aufgrund des sumpfigen Untergrundes musste dies aufgegeben werden, am Kaufvertrag wurde festgehalten, durch Zukäufe 1934 und 1940 der Besitz noch erweitert. Um die Versorgung der Internatsbewohner zu gewährleisten, entstanden auf der Bleiche Wirtschaftsgebäude wie Schweine- und Hühnerstall, auch wurde Platz für Ziegen, Rinder und Pferde geschaffen. Zeitweise gab es auch eine Bienenzucht. Besonders in den 1950er Jahren gab es einige Bautätigkeit.

In den 1960er Jahren wurde die Landwirtschaft wegen zunehmender Unrentabilität schrittweise zurückgefahren, aus dem Schweinestall wurde eine Erweiterung der Schlosserei. Diese und die angrenzende Schreinerei blieben bis zum Ende der Pallotinerzeit die Kernbestandteile des sich allmählich verkleinernden Geländes.

So wurde Anfang der 1970er Jahre Land für einen Bolzplatz und einen Kinderspielplatz an die Stadt Bruchsal abgegeben. Die Gemeindeveraltung diskutierte nun verstärkt über alternative Nutzungsmöglichkeiten. So sollte für Straßenvergrößerungen Platz abgegeben werden, während die Pallotiner an Wohnraum für die größer werdende Schule dachten. Beides kam ebensowenig zustande wie die schon sehr weit gediehene Idee, ein neues Seniorenheim in katholischer Trägerschaft zu erbauen.

Ein 1984 erstellter Flächennutzungsplan weist das Bleiche-Gelände erstmals als reines zukünftiges Wohngebiet aus. Zunächst pachtete jedoch Ende des Jahrzehnts eine Baumschule Teile der Bleiche. Zum Konflikt mit der Schlosserei und der Schreinerei kam es, als der Betreiber der Baumschule mehr Platz wollte, die betreffenden Brüder diesen jedoch nicht aufgeben wollten.

Nach mehreren, meist wenig weit gediehenen Ideen der Nachnutzung durch die Pallotiner selbst fand sich 2001 mit der SWB Sparkassen-Wohnbau GmbH ein Investor, welcher in Erbbaurecht die Bleiche als Ganzes übernahm. Nachdem trotz Widerstands der Baumschule und der Lokalen Agenda 21, welche den Streuobstbestand erhalten wollte, der Neubauplan beschlossen wurde, begann Anfang 2004 der Abriss der alten Gebäude. Dabei kamen Mauerreste aus der Johanniterzeit zum Vorschein, die aber keinem konkreten Bau zugeordnet werden konnten.

Die Neubebauunung erfolgte nach Plänen des Karlsruher Architekturbüros archis, Die Badstraße wurde dabei verkleinert und als neue Straße der Pallotinerweg angelegt.

Tvivia

In den 1920 und 1930er Jahren gab es nahe des Schlachthofes eine weitere Bleiche, welche von der Stadt Bruchsal betrieben wurde.

Literatur

  • Sonja Zeh: „Das Paradies in Bruchsal. Die Geschichte der „Bleiche““, verlag regionalkultur ISBN: 3-89735-281-8