Ludwig Eichrodt/Blick vom Turmberg

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Gedicht Blick vom Turmberg von Ludwig Eichrodt.

Do steh ich ufem hoche Dhorn,
Guck ummi rum un krieg e Zorn,
Daß dort der schuftig Newel steht,
Un’s isch am End kei Aussicht net.
Grad vor d’n Auge awer ligt,
So brechtig d’Stadt, in d’Baim neingschmiegt,
Nach Norde zieht der endlos Wald,
Kei Wunder, daß so Grien aim gfallt.
Im Siede glenzt e Wieseflech,
Un glitzre Derfer uf un Bech,
’s geht so fort, ebs aim verdrießt,

Bis d’Ewene in Himmel fließt.
I hab mer’s denkt – der Newel weicht,
Un wonderschen werd’s noch verleicht,
Guck nor, am End vom große Wald
Hebt sich e kenigsblaue G’stalt.
Der Kenigstuhl am Negger – doch!
Der Melebogus driwer noch!
Un lings der Donarsberg im Duft,
D’Haardt un d’Vogese, was e Luft!
Im Oschte steht, ’s isch maischt eso,
Der Schwarzwald – Dowel finschter do,
Um d’Hornisgrinde leget sich
Vom Siede her e blauer Strich.
Un mitteldrin der herrlich Rhein!
Er blitzt un glieht im Sunneschein.
Do komm jetz Ainer her und schelt’,
Langweilig wär’s uf dem Stick Welt!

Quelle

Karlsruher Heimatbuch für Stadt und Land, 3. Auflage 1959, Seiten 29-30