Lokomotive Rhein

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Skizze der ebenfalls in der Maschinenfabrik Kessler gebauten „Concordia“. Die Lokomotive Rhein wird darin auch erwähnt.

Die Lokomotive Rhein ist eine bei einem Transportunfall im Rhein versunkene Dampflokomotive.

Geschichte

Die Lokomotive wurde 1852 in Karlsruhe von der Maschinenfabrik Emil Kessler, der späteren Maschinenbaugesellschaft Karlsruhe, für die Strecke Düsseldorf–Elberfeld[1] gebaut.

Sie sollte mit dem Lastensegler „Stadt Coblenz“ von Maxau nach Köln überführt werden. Das Schiff geriet am 14. Februar 1852 bei einem Sturm bei Lingenfeld in Schräglage und die Lokomotive rutschte vom Deck in den Rhein. Der genaue Unfallort ging im Lauf der Zeit verloren.

Zur damaligen Zeit betrug der Wert der Lokomotive 25.000 Gulden, was gemäß Stand 2014 einem geschätzten Betrag von 360.000 Euro entsprach.

Bergungsversuche

Vermutete Unglücksstelle am 7. September 2018. Zur Vorbereitung des Bergungsversuchs wurden Spundwände aufgestellt, die vor starker Strömung schützen sollen.[2]
Spundwand von oben

Ein Bergungsversuch kurz nach dem Unglück misslang, danach wurde die Bergung eingestellt, weil der Transport aufgrund der Wertes versichert war. Zwei Taucher, ein Vater und sein Sohn, aus London wurden extra für die Bergung verpflichtet. Sie legten zwei schwere, eigens dafür geschmiedete Eisenketten um die Lok, die von 400 Männern an einem Ufer hochgezogen wurden. Aufgrund eines Kettenbruchs versank die Lok erneut in den Fluten.

Im Jahr 1925 wurde eine erneute Bergung anlässlich einer Industrieausstellung in München geplant, welche jedoch aus Kostengründen scheiterte.

Seit 1993 befasst sich das Eisenbahn-Museum Darmstadt-Kranichstein[3] mit der Suche nach der versunkenen Lokomtive.

Am 16. Juni 2012 wurde mit Hilfe eines Magnetometers eine mögliche Lok auf dem Grund gefunden. Eine Radarmessung am 14. September 2013 bestätigte das Ergebnis. Am 11. März 2014 wurde die genaue Lage der vermuteten Stelle in einem Vortrag beim VDI Karlsruhe erstmals öffentlich genannt, die Lok liege unter der Buhne 527.

Dieser Ort im Stadtplan:

Um die Umrisse des Fahrzeuges darzustellen, sollten Mitte Juni 2014 mit einem Sediment-Echolot weitere Messungen gemacht werden. Dafür hätte man mit einem Boot über die Buhne fahren müssen. Dies war jedoch wegen des niedrigen Wasserstands nicht möglich. Der Echolot-Einsatz wurde deshalb zunächst auf den Herbst 2014 [4] und dann auf Frühjahr 2015 verschoben. Am 27. Juni 2015 haben die Wissenschaftler mit dem Echolot Messungen durchgeführt. Sie wollen mit den gesammelten Daten ein Abbild der Lokomotive erstellen.[5]

Nach einer möglichen Bergung sollte die Lokomotive als Dauerleihgabe dem Eisenbahnmuseum Darmstadt-Kranichstein zur Verfügung gestellt werden. Die Lok wäre dann die älteste erhaltene Dampflokomotive Deutschlands gewesen.

Die Eisenbahnfreunde vom Museum Darmstadt-Kranichstein hofften auf die finanzielle Unterstützung durch Sponsoren und Spender, um eine Bergung zu ermöglichen. Über den Erhaltungszustand der Lok nach dieser langen Zeit im Rhein gab es keine Erkenntnisse.

Die Bergung war für den 21. Oktober 2018 geplant.[6]. Am 1. Oktober 2018 wurde das Projekt für beendet erklärt, da an der vermuteten Stelle nichts gefunden wurde.[7]

Literatur

  • Jürgen-Ulrich Ebel: „Eine Lokomotive auf dem Grund des Rheins“, in: Archäologisches Nachrichtenblatt. - Berlin. Jg. 3 (1998), S. 303-307
  • „Dampflok im Dornröschenschlaf“, in: Badische Neueste Nachrichten Nr. 55 vom 7. März 2014, Seite 10 - hier online
  • „‚Rhein‘ sorgt für leuchtende Augen“, in: Badische Neueste Nachrichten Nr. 56 vom 8. März 2014, Seite 12 - hier online
  • „Versunkene Dampflok elektrisiert Eisenbahn-Fans“, in: Badische Neueste Nachrichten Nr. 60 vom 13. März 2014, Seite 10 - hier online
  • „Faszinierenes ‚Rheingold‘ - Horst Müller aus Cochem verfolgt seit 1962 die Spur der versunkenen Lok“, in: Badische Neueste Nachrichten Nr. 62 vom 15. März 2014, Seite 10
  • „Dampflok beflügelt Fantasie –  Eisenbahn-Maler Erich König hat auch ‚Rhein‘ im Bild festgehalten“, in: Badische Neueste Nachrichten Nr. 72 vom 27. März 2014, Seite 9
  • „Echolot-Suche nach Lok ‚Rhein‘ verzögert sich“, in: Badische Neueste Nachrichten Nr. 147 vom 30. Juni 2014, Seite 5
  • Uwe Breitmeyer und Bernhard Forkmann: „Lok im Rhein“, Herdam-Verlag, 2017, ISBN 978-3-933178-38-1
  • „Neue Hoffnung für ‚Jäger der versunkenen Lok‘“, in: Badische Neueste Nachrichten Nr. 271 vom 24. November 2017, Seite 9

Weblinks

Fußnoten

  1. Die deutschsprachige Wikipedia zum Thema „Bahnstrecke Düsseldorf–Elberfeld“
  2. https://www.swr.de/swraktuell/rheinland-pfalz/ludwigshafen/Versunkene-Lok-bei-Germersheim-Spundwaende-sollen-Bergung-ermoeglichen,lokbergung-100.html
  3. Die deutschsprachige Wikipedia zum Thema „Eisenbahnmuseum Darmstadt-Kranichstein“
  4. http://www.echo-online.de/region/darmstadt/Niedriger-Wasserstand-des-Rheins-verzoegert-Suche-nach-Lok-fuer-Eisenbahnmuseum;art1231,5178185
  5. http://www.swr.de/landesschau-aktuell/rp/auf-schatzsuche-nach-der-aeltesten-dampflok-deutschlands-jaeger-der-versunkenen-lok/-/id=1682/did=15699140/nid=1682/1huq3jp/index.html
  6. https://www.ka-news.de/region/karlsruhe/Bergung-der-versunkenen-Dampflok-im-Rhein-fuer-Oktober-geplant;art6066,2211668
  7. https://bnn.de/lokales/karlsruhe/projekt-beendet-doch-keine-versunkene-lok-an-vermutetem-fundort-im-rhein