Badischer Landmais

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Der Badische Landmais, der offiziell Gelber Badischer Landmais genannt wird, ist eine alte Mais-Populationssorte die Anfang des 20. Jahrhunderts an der Großherzoglichen Badischen Saatzuchtanstalt Hochburg bei Emmendingen beschrieben und züchterisch bearbeitet wurde. Durch den Zuchtfortschritt der inzwischen 1 % pro Jahr beträgt bringt diese Sorte gegenüber den modernen Hybridsorten nur 30-50 % des Ertrages, aber als Genresource bleibt sie äußerst wichtig und ist zur Wildäsung besonders geeignet.[1][2][3]

Geschichte

In Deutschland wurde Mais im 16. und 17. Jahrhundert nur in Gärten klimatisch begünstigter Regionen wie der Rheingegend oder Baden gepflegt. Erst nachdem es 1805 und 1806 auf Grund einer Pflanzenseuche zu großen Ausfällen in der Kartoffelernte kam, begann man erstmals Maissorten zu züchten. Auch wenn in dieser Zeit Rezepte publiziert wurden, wie Mais für Suppen, Pudding, Kuchen, Brei und als Kaffee-Ersatz verwendet werden kann, diente der Mais bisher überwiegend der Grünfuttergewinnung.

Körber-Grohne schreibt: Die Anbauflächen blieben jedoch im 19. Jahrhundert gering und betrugen in Deutschland weniger als ein Prozent. Lediglich in Baden war der Anbau von Mais etwas verbreiteter.

Bis in die 1930er Jahre waren ausschließlich offen abblühende Maissorten im Anbau, die in Deutschland bis zum 50. Breitengrad die Körnerreife erlangten. Die verbreiteten Sorten waren der Gelbe Badische Landmais, der Weiße Kaiserstühler sowie die Sorten Chiemgauer, Rottaler, Pfarrkirchner und Pautzfelder im südlichen Bayern. Die Sorten sollen über Tirol eingewandert sein und wurden dann durch Auslesezüchtung zu regionalen Sorten.

Durch bedeutende Züchtungsfortschritte begann in den USA in den 1930er Jahren der Anbau von Mais-Hybriden. Erst in den 1970er Jahren wurden den mitteleuropäischen Standortverhältnissen angepasste Sorten entwickelt, so dass sich der Maisanbau hier stark ausweitete (Blizzard-Mais, Deutsches Maiskomitee, Deutscher Maisclub).

Hybridmais bringt dank Heterosis-Effekt deutlich höhere Erträge als offen abblühende Sorten; ein Nachbau (Saatgut) der geernteten Körner führt jedoch zu einem geringeren Ertrag.

Wenngleich der Badische Landmais keine Bedeutung für die moderne Landwirtschaft mehr hat so eignet er sich aufgrund der hohen Standfestigkeit und sehr späten Reife für die Einsaat als Wildackerpflanze. Der Mais ist sowohl beim Schalenwild, insbesondere beim Schwarzwild, als auch beim Federwild sehr beliebt. Folglich eignet er sich bestens als Ablenkfütterung. Darüber hinaus dienen die hohen Stängel als Deckung für das Niederwild.

Anbau

Mais ist ein Sommergetreide und Wärmekeimer. Die Aussaat erfolgt in Deutschland von Mitte April bis Anfang Mai, wenn der Boden warm genug und die Gefahr von Spätfrösten nicht mehr gegeben ist. Mais braucht zur Keimung und zum Feldaufgang eine gewisse Temperatur (Keimung 7–9 °C) und eine gewisse Wärmesumme für den Feldaufgang. Bei niedrigen Temperaturen wird der Keimling von Bodenpilzen befallen und verliert seine Triebkraft; lückige Maisbestände mit geringeren Erträgen sind die Folge. Andererseits führt späte Saat ebenfalls zu Ertragsminderungen, weil die Sonnenenergie des Sommers dann nicht voll ausgenutzt wird. Als Faustregel gilt in Deutschland, dass: eine Aussaat nach dem 10. Mai in einem Prozent Minderertrag pro Tag spätere Saat bedeutet.

Literatur

  • Udelgard Körber-Grohne: Nutzpflanzen in Deutschland – Von der Vorgeschichte bis heute, Nikol, Hamburg 1995, ISBN 3-933203-40-6, S. 88–93.
  • Manfred G. Raupp: Zu den Innovationen im landwirtschaftlichen Pflanzenbau und Aspekte für die menschliche Ernährung gestern, heute und morgen, Lörrach, August 2016 ISBN 978-3-945046-06-7

Weblinks

Fußnoten

  1. Landesanstalt Bayern: Mais, Landsorten statt Hybride pdf abgerufen am 19. Januar 2018
  2. Badischer Landmais als Wildackersaat
  3. Eder B. et all: Entwicklung von Populationen bei Mais (Zea mays L.) Selektionseffizienz und Leistungsfähigkeit