Christian Gottlieb Schmieder

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Christian Gottlieb Schmieder (* 1750; † 1827) war Buchhändler und Verleger in Karlsruhe und einer der bekanntesten Nachdrucker seiner Zeit.

Wirken

Druck von Christian Gottlieb Schmieder 1777

Christian Gottlieb Schmieder eröffnete 1771 in Karlsruhe eine Buchhandlung und war von 1773 bis 1809 auch als Verleger tätig.

Am 21.9.1774 erhält Schmieder ein kaiserliches Druckprivileg auf die von Ihm geplante Nachdruckreihe "Sammlung der besten prosaischen Schriftsteller und Dichter". Am 13.9.1784 wurde das kaiserliche Privileg um weitere 10 Jahre verlängert. Diese bis 1804 in gebundener Ausgabe herausgegebenen Sammlungen umfassten ca. 250 Werke nahezu aller deutschen Schriftsteller von Rang und Namen. Das Privileg stand jedoch mit Druckprivilegien anderer Fürsten- und Königshäuser bzw. deren Verleger in Konkurrenz, da es noch kein ausreichendes Urheberschutzrecht gab.

Am 29.8.1787 legte der Leipziger Buchhändler G. J. Göschen Beschwerde wegen Nachdruck von sechs seiner Verlagsbücher beim Badischen Markgraf ein, darunter auch Schillers "Don Karlos, Infant von Spanien" erschienen 1787 in Leipzig. Alle sechs Werke waren 1787 bei Schmieder als Nachdruck erschienen. Markgraf Karl Friedrich von Baden protegierte Schmieder ausdrücklich nicht, er untersagte ihm 1780 sogar schon einmal den Nachdruck bereits privilegierter Verlagsbücher Berliner Buchhändler.

In einer Anzeige im "Intelligenzblatt Okt. Jahrg. 2 – Journal des Luxus und der Moden 1787" schreibt Göschen:

"Christian Gottlieb Schmieder in Carlsruhe hat die beyspiellose Bosheit begangen, und sechs neue Bücher aus meinem Verlage auf einmal nachgedruckt. Ich klage diesen Menschen hiermit öffentlich eines unerhörten Raubes an und warne jedermann der so unglücklich ist mit Ihm in Geschäften zu stehen oder in Verhältniße zu kommen sich für diesen Bösewicht wohl in Acht zu nehmen. Ein Mann ohne Redlichkeit, ohne Ehre, ohne Gewißen ist der gefährlichste Mensch in jedem Verhältniße des Lebens. Ich hoffe, daß jeder redliche Buchhändler gegen diese That den größten Unwillen faßen wird. Sollte sich aber jemand mit dem Verkaufe dieser Nachdrücke beschmutzen so werd´ ich, so bald ich Beweise davon erhalte, ihn in öffentlichen Blättern, als Helfershelfer und Mitgenoßen dieses Diebes nennen." G.J. Göschen Buchhändler in Leipzig

Schmieder wies die Anschuldigungen am 18.10.1787 jedoch zurück.

Druckbeispiel

  • Lustspiele von Gotthold Ephraim Lessing. Zweyter Theil, „Der Freygeist; Der Schatz; Minna von Barnhelm, oder das Soldatenglück; Damon; Die alte Jungfer; - Mit allerhöchst = gnädigst Kayserlichem Privilegio“ Carlsruhe, bey Christian Gottlieb Schmieder 1777

Literatur

  • Breitenbruch, Bernd. Der Karlsruher Buchhändler Christian Gottlieb Schmieder und der Nachdruck in Südwestdeutschland im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts, Archiv für Geschichte des Buchwesens, 9 (1969): 643-732
  • Gieseke, Ludwig. Vom Privileg zum Urheberrecht: Die Entwicklung des Urheberrechts in Deutschland bis 1845 Baden-Baden, Nomos, 1995

Weblinks

http://www.p3wiki.de/wiki/Nachdruck