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Stolperstein-Aktion am 11.10.2010 Stolpersteine in Malsch

Textspende

Kurzbiografien der Personen, für die ein Stolperstein am 11.10.2010 durch den Kölner Künstler, Gunter Demnig verlegt wurden.

die Texte sind von den Heimatfreunden erarbeitet und von Josef Bechler zur Veröffentlichung im Stadtwiki freigegeben.

Verlegestellen

Verlegestelle, Hauptstraße 26

Stolperstein für JOSEF KAUFHERR
Josef Kaufherr war einer der wenigen Juden, die nicht aus Malsch stammten. Josef Kaufherr wurde am 16.10.1889 in Kaltennordheim geboren. Er heiratete die Witwe Selma David, die in der Hauptstraße ein Schuhgeschäft hatte. Aus dieser Ehe gingen drei Kinder hervor: Martin, Siegfried und Marianne. Siegfried verstarb im Kindesalter 1924. Wenige Tage später am 19.10.1924 starb seine Mutter Selma. Am 23.03.1925 heiratete Josef Kaufherr die in Berwangen bei Heidelberg am 3.11.1897 geborene Betty Weil. Aus dieser Ehe ging die Tochter Hannelore, die am 4.01.1926 in Malsch geboren wurde, hervor.
Bereits im Jahre 1934 wurde Tochter Marianne aus der ersten Ehe von Josef Kaufherr in die USA geschickt. Martin Kaufherr wanderte nach Abschluss seiner Lehre 1938 ebenfalls in die USA aus.
Stolperstein für BETTY KAUFHERR
Die zurückgebliebenen Eltern Josef und Betty sowie ihre jüngste Tochter Hannelore erlebten als unmittelbare Nachbarn, wie die Synagoge zerstört wurde. Auch Plünderungen des Mobs blieben ihnen nicht erspart.
Am 10. November 1938 wurde Josef Kaufherr wie weitere neun Malscher männliche Juden in Dachau in Schutzhaft genommen. Am 3.12.1938 durfte er von dort zurückkehren, nachdem er zugesagt hatte, sein Geschäft in arische Hände zu übergeben und auszuwandern.
Josef, Betty und Tochter Hannelore versuchten, wie 17 weitere Malscher Juden, am 13.05.1939 mit der „St. Louis“ Deutschland in Richtung Kuba zu verlassen. In Kuba durften die Juden jedoch nicht an Land gehen, obwohl alle Passagiere eine amtliche Zusage hatten. Nach wochenlangen Irrfahrt der „St. Louis“ und langen Verhandlungen konnte erreicht werden, dass am 17.06.1939 alle Passagiere in Antwerpen an Land durften.
Stolperstein für HANNELORE KAUFHERR
Die Familie Kaufherr blieb zunächst in Belgien. Sie wohnte in Brüssel, wie die meisten Malscher Juden, die in Belgien blieben. Nachdem zwischenzeitlich der 2. Weltkrieg ausbrach und Belgien durch die deutschen Truppen besetzt wurde, erlebte die Familie Kaufherr ein grausames Schicksal. Betty Kaufherr und Tochter Hannelore kamen vom belgischen Lager Mechelen nach Auschwitz, wo sie umgebracht wurden. Josef Kaufherr war in den Lagern St. Cyprien und Gurs, bevor auch er über Drancy nach Auschwitz kam und dort ebenfalls umgebracht wurde.

Verlegestelle, Waldprechtsstraße 1

Stolperstein für MAX MAIER
Die Eheleute Max Maier, geb. 01. Dezember 1872 in Malsch und Ella Maier, geb. Israel, 30. Dezember 1879 in Strümpfelbronn waren kinderlos. Ihnen gehörte das alte Malscher Rathaus in der Hauptstraße 116, in dem sie einen Kohlenhandel sowie einen Handel mit gebrauchten Fässern betrieben.
Wie die meisten Malscher Juden, mussten auch die Eheleute Maier ihr Wohngebäude in den Jahren 1939/1940 verkaufen.
Stolperstein für ELLA MAIER
Max und Ella Maier gehörte zu den letzten 19 Malscher Juden, die am 22. Oktober 1940 nach Gurs deportiert wurden. Beide Eheleute wurden in Auschwitz umgebracht. Ihr Todesdatum ist nicht bekannt.

Verlegestelle, Waldprechtsstraße 5

Stolperstein für LEO GABEL
Leo Gabel wurde am 8. Oktober 1901 in Frankfurt am Main geboren. Er war verheiratet mit Lotte Gabel geb. Weisberg, geb. am 17. Januar 1907. Am 10. Februar 1935 wurde ihr Sohn Josua in Karlsruhe geboren. Josua war der jüngste Malscher Jude vor Auflösung der israelitischen Gemeinde Malsch.
Stolperstein für CHARLOTTE GABEL
Leo Gabel war seit 1932 als Kantor und Religionslehrer in Malsch tätig gewesen.
Ende Oktober 1938 wurden in einer kurzfristigen Aktion über 15.000 in Deutschland lebende Juden mit polnischem Pass ausgebürgert. Unter ihnen war auch Leo Gabel. Am 7. Juli 1939 wurde auch seine Frau Charlotte nach Polen ausgewiesen. Kurz vor der Ausweisung war es noch gelungen, den vierjährigen Sohn Josua zu Verwandten nach Holland zu schicken, wo er versteckt bei christlichen Familien den Krieg überlebte und später nach Palästina auswanderte.
Es wurde bekannt, dass Ende Dezember 1939 das Ehepaar Gabel von den deutschen Besatzungsbehörden von Posen ins Judenghetto nach Warschau verbracht wurde. Seit 1942 fehlte jedes Lebenszeichen von ihnen. Leo und Charlotte Gabel sind mit großer Sicherheit im Warschauer Ghetto umgekommen.

Verlegestelle, Hauptstraße 27

Stolperstein für NANETTE MAIER
Nanette Maier, geb. 29. November 1871, war ledig und wohnte bei ihrem Bruder in der Hauptstraße 129. Nach dem Tode ihres Bruders am 22. Oktober 1939 – seine Ehefrau Karolina Maier geb. Thalheimer, 9. September 1873, verstarb bereits am 18. Dezember 1925 in Malsch – wurde Nanette Maier Alleinerbin des Hausgrundstücks.
Nanette Maier gehörte zu den letzten 19 Malscher Juden, die am 22. Oktober 1940 nach Gurs deportiert wurden.
Nanette Maier verstarb am 16.11.1940 einige Wochen nach ihrer Ankunft im Lager Gurs.

Verlegestelle, Hauptstraße 29

Stolperstein für SAMUEL MAIER
Samuel Maier, am 13.03.1864 in Malsch geboren, war von Beruf Viehhändler. Er wohnte zusammen mit seiner ledigen Tochter Frieda, geb. am 2. April 1894 in seinem Wohnhaus in der Hauptstraße 133. Samuel Maier war nicht unvermögend. Sein Lebensunterhalt bestritten Samuel und Frieda Maier aus eigenem Vermögen.
Stolperstein für FRIEDA MAIER
Samuel und Frieda Maier gehörten zu den letzten 19 Malscher Juden, die am 22. Oktober 1940 nach Gurs deportiert wurden. Zu diesem Zeitpunkt wohnten Samuel Maier und seine Tochter Frieda im Hause des Ludwig Dreifuss in der Adlerstrasse 52.
Samuel Maier starb im Lager Gurs am 15. Januar 1942, während seine Tochter Frieda am 12. August 1942 in Auschwitz ermordet wurde.

Verlegestelle, Kreuzstraße 10

Stolperstein für ISIDOR LÖB
Isidor Löb, geb. am 10. Januar 1866, betrieb mit seiner Ehefrau Karolina, geb. Maier, 22. April 1872, einen Landwirtschaftsbetrieb und zusätzlich mit seinem Sohn Leopold ein gut gehendes Viehhandelsgeschäft. Im Jahre 1905 baute Isidor Löb ein dreistöckiges Wohnhaus in der Kreuzstraße 10, nachdem er das geerbte Gasthaus „Schwanen“ veräußert hatte.
Stolperstein für KAROLINE LÖB
Isidor Löb, seine Ehefrau Karoline und die sich noch in Malsch befindlichen Familienmitglieder versuchten am 13. Mai 1939 mit dem Hapag-Dampfer „St. Louis“ Deutschland zu verlassen. Teile der Familie waren bereits einige Monate vorher nach Kuba emigriert.
Nach der Irrfahrt der „St. Louis“ gingen auch sämtliche Familienmitglieder von Isidor und Karolina Löb am 17. Juni 1939 in Antwerpen von Bord. Sie blieben in Belgien und wohnten in Brüssel. Ihre Kinder und Enkelkinder konnten noch kurz vor der Besetzung von Belgien durch die deutschen Truppen das Land verlassen. Isidor und Karoline Löb wurden in das Sammellager Malines eingeliefert. Von dort kamen beide am 26.09.1942 nach Auschwitz wo sie ermordet wurden.
Stolperstein für SALOMON LEHMANN
Im Wohnhaus von Isidor und Karolina Löb, in der Kreuzstraße 10, wohnten auch Salomon Lehmann, geb. 02. Januar 1868, seine Frau Mina geb. Leon, 10.09.1871 sowie die Stiefschwester von Salomon Lehmann, die ledige Amalie Herz, 5.01.1859.
Salomon und Mina Lehmann waren die Eltern der Schwiegertochter Maria, von Isidor und Karoline Löb.
Stolperstein für MINA LEHMANN
Salomon Lehmann und seine Frau betrieben in Kuppenheim eine Metzgerei. Dieses Geschäft musste Salomon Lehmann verkaufen. Am 5. März 1938 übersiedelten Salomon und Mina Lehmann sowie Amalie Herz nach Malsch in das Wohnhaus des Isidor Löb um gemeinsam mit ihnen auf der „St. Louis“ Deutschland verlassen zu können.
Wie Isidor und Karolina Löb blieben auch Salomon und Mina Lehmann, sowie Amalie Herz in Belgien.
Mina Lehmann verstarb am 26. August 1941 in Brüssel, während Ihr Ehemann Salomon im Lager Mechelen interniert wurde. Von Mechelen wurde er nach Auschwitz deportiert und dort umgebracht.
Stolperstein für AMALIE HERZ
Wie Mina Lehmann verstarb in Brüssel 1941 auch Amalie Herz.