Waldenser

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Die Waldenser sind eine christliche Laienbewegungen, die heute in der Region Karlsruhe zur Evangelischen Landeskirche gehört.

Die Waldenser

Der Name Waldenser stammt aus dem Mittelalter. Die katholische Kirche bezeichnete so die Anhänger von Petrus Waldus (ursprünglich „Valdes”) aus Lyon. Er starb im Jahre 1206 oder 1207.

Entstehung

Die Waldenser sind eine christliche Laienbewegung aus dem 12. Jahrhundert. In der Laienbewegung predigten „normale Bürger” anstatt katholische Priester.

Der Kaufmann Petrus Waldus („Valdes”) begann 1176 in Lyon als Laie das Evangelium zu predigen. Er ließ Teile der Bibel in die Volkssprache übersetzen, Valdes selbst sprach kein Latein, außerdem kritisierte er den Reichtum der Kirche. Im Jahre 1170 verließ er aus christlicher Überzeugung seine Familie und verteilte sein Vermögen unter den Armen.

Die Bewegung breitete sich in Südwest- und Nordostfrankreich sowie in Süddeutschland, Ungarn, Polen und der Lombardei aus. Die Mitglieder verstanden sich als Teil der katholischen Kirche, kritisierten jedoch deren Missstände.

Die Bekämpfung

Weil in dieser Gemeinschaft Laien predigten, wurden sie 1184 von Papst Lucius III. exkommuniziert, zu Ketzern erklärt und verfolgt. Viele zogen sich in unzugängliche Alpentäler zurück. Im Laufe der Jahrhunderte wurden sie immer wieder verfolgt.

Die Waldenser schlossen sich 1532 der Reformation an und gründeten 1560 eine reformierte Kirche in den Cottischen Alpen. Sie gaben sich jetzt selbst den Namen „Waldenser”.

Im Jahr 1598 erließ König Heinrich IV einen Duldungsedikt (Edikt von Nantes). Es sicherte den Hugenotten und Waldensern Rechte und Religionsfreiheit zu. Trotz des Edikts von Nantes fanden die blutigen Verfolgungen kein Ende. Auch im Piemont wurden die Waldenser bekämpft und wurden in den Cottischen Alpen zunehmend in ein Getto getrieben.

Die Vertreibung

Auch im 17. Jahrhundert wurden die Waldenser verfolgt. 1685 untersagte der französische König Ludwig XIV den Hugenotten und Waldensern die Ausübung ihrer Religion, und hob das „Edikt von Nantes” wieder auf. Auch die Waldenser wurden verfolgt, viele kamen in den Gefängnissen um. Im Jahre 1687 wurden die Waldenser durch den Herzog von Savoyen aus dem Piemont vertrieben und fanden Asyl in der Schweiz und in deutschen Ländern.

Unter der Führung von Pfarrer Henri Arnaud gelang es ca. 1.000 Waldensern im Jahre 1689 in die Täler mit Waffengewalt zurückzukehren. Dies ging unter dem Begriff die „Glorreiche Rückkehr” in die Geschichte ein. Die Waldenser wurden daraufhin im Piemont in ihren Dörfern geduldet.

Waldenser in Deutschland

1698 wurden etwa 2.700 französischen Waldenser aufgrund des Ausweisungsediktes vom 1. Juli 1698 durch den Herzog von Savoyen wieder aus ihrer Heimat vertrieben. Die Waldenser fanden wieder Zuflucht in der Schweiz.

Die Verhandlungen zur Ansiedlung der Waldenser in Deutschland wurden hauptsächlich von den Pfarrern Henri Arnaud und Jacques Papon geführt. Sie wollten erreichen, dass die Waldenser in Deutschland so leben konnten, wie sie es aus ihrer Heimat gewohnt waren und dass die Menschen aus ihren Herkunftsgemeinden zusammen bleiben konnten.

Die französischen Waldenser aus dem Pragelatal wurden nach Hessen geschickt, die piemontesischen Waldenser aus dem Perosatal, unter Führung von Henri Arnaud, ins Herzogtum Württemberg. Die Markgrafschaft Baden-Durlach nahm Hugenotten auf.

Die Zuwanderer trafen hier auf ein zerstörtes und entvölkertes Land: der Dreißigjährige Krieg und der darauf folgende Pfälzischen Erbfolgekrieg 1688 bis 1697 hatten mit Zerstörungen, Seuchen (Pest) und Hungersnöten viele Tote gefordert. Äcker und Weinberge waren zerstört und verwildert. In den meisten Orten lebten nur noch wenige Menschen. Zu dieser Zeit hatte z.B. Grünwettersbach nur noch 30 Einwohner und das Dorf Untermutschelbach noch neun. In Langensteinbach lebten nur noch 12 Familien. Dies war mit ein Hauptgrund, weshalb die Ansiedlungen auch finanziell gefördert wurden, z.B. mit Steuerfreiheit für einige Jahre. Auch in anderen Regionen fand eine Ansiedlungspolitik statt.

Eine Gruppe von 450 Waldensern kam im Jahre 1698 unter Führung von Pfarrer Papon nach Hessen in den Ort Mörfelden, wo sie vom Landgrafen Ernst-Ludwig von Hessen-Darmstadt Land zugewiesen bekamen. Die Menschen, die aus den Dörfern La Balme, Roure und Méan stammten, sollten dort angesiedelt werden. Nach etwa drei Jahren zog der größte Teil der Gruppe weiter nach Württemberg und Baden, hierunter waren auch die späteren Palmbacher und Mutschelbacher Waldenser. Nur wenige Familien blieben in Hessen. Aus dieser Kolonie, die damals noch „Waldenserniederlassung bei Mörfelden“ genannt wurde, entstand der Waldenserort Walldorf (Mörfelden-Walldorf).

Südlich von Neureut wurde 1699 einer Gruppe von Hugenotten von Markgraf Friedrich Magnus von Baden-Durlach Land zugewiesen. Hier entstand der Ort Welschneureut, das „alte” Neureut hieß nun Teutschneureut.

28 Waldenserfamilien erhielten am 4. Februar 1701 von der württembergischen Regierung die Erlaubnis, sich auf dem verwilderten Ackerland der Gemarkung Grünwettersbach anzusiedeln. Da die Grünwettersbacher Bürger die südländisch aussehenden Neubürger nicht in ihrem Ort haben wollten, wurde der neue Ort am Rande der Grünwettersbacher Gemarkung gegründet. Die Waldenserkollonie wurde La Balme, so wie das frühere Heimatdorf benannt. Ein paar Jahre später wurde hieraus Palmbach. Außer nach Palmbach kamen die Waldenser, die aus den Orten La Balme und Roure stammten, auch nach Untermutschelbach. Dort wurden 59 Personen untergebracht. Diese zwei Orte gehörten damals noch zu Württemberg.

Das Recht der freien Religionsausübung wurde den reformierten Hugenotten und Waldensern zugesichert. Die Gottesdienste wurden bis ins frühe 19. Jahrhundert in französischem Dialekt gehalten. Erst im 19. Jahrhundert schlossen sie sich der evangelisch-lutherischen Landeskirche an.

Waldenser heute

Was erinnert heute an die Waldenser?

Zwischen Karlsruhe und Stuttgart erinnern heute noch Ortsnamen wie Pinache, Perouse, Corres, Serres, Großvillars und Kleinvillars, Palmbach und Mutschelbach an die alten Waldenseransiedlungen.

Auch zahlreiche französische Namen wie Jourdan, Richardon, Konstandin, Raviol, Piston, Guigas, Berger und Granget erinnern heute noch an die Nachkommen der Waldenser.

In den Waldenserorten gibt es Straßennamen wie Waldenserstraße, Welschenweg, Henri-Arnaud-Straße oder Petrus-Waldus-Straße, die ebenfalls an die Geschichte der Waldenser erinnern.

Durch die Waldenser kamen auch neue Früchte und Pflanzen ins Land. So brachten Sie die ersten Kartoffeln nach Süddeutschland mit, da diese bislang hier nicht bekannt waren. Ebenso wurde von den Waldensern der Tabakanbau, der Klee und Maulbeerbäume in Süddeutschland eingeführt.

Wanderwege

In unserer Region gibt es den Waldenserweg im Naturpark Stromberg – Heuchelberg, den Hugenotten- und Waldenserpfad, sowie den Palmbacher Waldenserweg.

Die Deutsche Waldenservereinigung

Die Deutsche Waldenservereinigung wurde 1936 gegründet. Ihr gehören nicht nur die Nachfahren der waldensischen Glaubensflüchtlinge in Deutschland, sondern auch viele Freunde der italienischen Waldenser und Bewunderer der Waldensergeschichte an. In ÖtisheimSchönenberg bei Pforzheim steht das ehemalige Wohnhaus von Henri Arnaud, das 1701 gebaut wurde. In diesem Gebäude hat die Waldenservereinigung ein Waldensermuseum und eine Bibliothek untergebracht.

Die italienischen Waldenser heute

Das Gebiet um die Waldensertäler gehört heute zu Italien. Als die Waldenser in Italien 1848 endlich die bürgerlichen Freiheiten erlangten, breitete sich die Waldenserkirche über ganz Italien aus. Heute zählt sie rund 21.000 Mitglieder.

Waldenserdenkmal

In den meisten Deutschen Waldenserorten gibt es Plätze und Denkmäler, die an die Verfolgung und Vertreibung der Waldenser erinnern. In Palmbach entstand 2015 der Waldenserplatz mit Denkmal "Tor des Ankommens".

Das Waldenserwappen

„Lux lucet in tenebris“

Das Waldensertum begleitete stets ein sichtbares Wappen. Es zeigt einen goldenen Leuchter mit einer brennenden Kerze, den 7 Sterne umringen. Ein dunkelblauer Hintergrund gibt diesem Wappen eine mystische Tiefe und hebt das Licht der Kerze deutlich hervor. Darunter steht wie ein geheimes Motto „LUX LUCET IN TENEBRIS“, auf deutsch: „das Licht leuchtet in der Finsternis”. Dieser Spruch stammt aus dem Johannes-Evangelium-Kapitel 1, Vers 5. Die Fortsetzung dort lautet „und die Dunkelheit konnte es nicht auslöschen”.

Siehe auch

Weblinks