Landgraben

Aus dem Stadtwiki Karlsruhe:
Version vom 5. Juli 2017, 13:34 Uhr von MauriceKA (Diskussion | Beiträge)

(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Wechseln zu: Navigation, Suche

Disambig-50px.png Dieser Artikel bezieht sich auf den Karlsruher Landgraben, für andere siehe Landgraben (Begriffsklärung).

Verlauf des Landgrabens
Das unterirdische Gewölbe des Landgrabens
An der Unterquerung der Bahnstrecke RangierbahnhofHagsfeld ist der Landgraben noch offen.
bei Durlach
Bei Bauarbeiten wird das Gewölbe des Landgrabens vor der Schlachthofgaststätte sichtbar
Mündung des Überlaufs beim Lameyplatz in die Alb beim Rheinhafen

Der Landgraben ist ein Abwassersammler im Mischsystem. Er ist der größte Abwassersammler Karlsruhes, sein Querschnitt gehört nach Paris zu den größten in Europa. Der Normalabfluss ohne Regenwasser liegt bei 1-2 m3/s.

Geschichte

Der Landgraben entstand als offener Graben im Jahre 1588 in der Regentschaft von Ernst Friedrich von Baden-Durlach zur besseren Entwässerung der Niederungen zwischen Durlach und Ettlingen, die als Teil der Kinzig-Murg-Rinne etwas tiefer liegen, und zur Ableitung von Albhochwässern.

Der Kanal diente nach der Gründung Karlsruhes auch dem Transport von Baumaterial aus den Steinbrüchen bei Durlach und aus dem Pfinztal, um den Bau der Stadt und die Totalrenovierung sowie den Umbau des Karlsruher Schlosses zu erleichtern. Daneben diente er auch der Hochwasserentlastung der Pfinz. Dazu wurde er ab 1750 auf Anordnung von Markgraf Karl Friedrich von Baden durch den Steinkanal, der auch als Steinschiffkanal bezeichnet wurde, bis zur Pfinz erweitert. Die spätere Durlacher Allee wurde 1767 nördlich neben dem Landgraben angelegt.

Ab dem Jahr 1794 durften die Bürger alle flüssigen Abgänge aus Küche und Bad mit Ausnahme von Fäkalien in den Landgraben einleiten.

Im selben Jahr erteilte der Markgraf einem Müller in Mühlburg die Konzession für eine Mühle, durch dessen Betrieb der Landgraben einen Meter aufgestaut wurde. Das sollte sich als Fehler erweisen, weil der Landgraben schnell verschlammte und die Anwohner im Sommer bei niedrigem Wasserstand durch starke Geruchsentwicklung belästigte. Bei hohem Wasserstand dagegen lief der Graben über und überschwemmte die anliegenden Gebiete. Darum wurde 1815 damit begonnen, über dem Landgraben ein Gewölbe zu errichten. Die Anwohner bezahlten die Bauarbeiten und erhielten dafür das Eigentumsrecht an der neu entstandenen oberirdischen Fläche über dem Graben. Am Lidellplatz wurde mit den Baumaßnahmen begonnen, bis 1846 war der Bereich zwischen Adlerstraße und Rathaus sowie zwischen Herrenstraße und Hirschstraße überwölbt. Der letzte Abschnitt in der Sophienstraße wurde erst 1900 und 1905 überdacht.

1877 erhielt Stadtbaumeister Hermann Schück vom Stadtrat den Auftrag, Karlsruhe mit einer Kanalisation zu versehen, mit dem vorhandenen Landgraben als Kernstück. Die 1794 erteilte Mühlenkonzession wurde für 70.000 Mark zurückgekauft und der Landgraben bis 1885 tiefer gelegt und ausgebaut. Der Abschluss der Arbeiten und damit die Fertigstellung der Karlsruher Kanalisation wurde 1885 angemessen mit einer unterirdischen „Kahnpartie“ des Großherzogs Friedrich gefeiert.

Verlauf

Sein Verlauf, insbesondere in der Innenstadt:

Von Durlach kommend läuft er zunächst entlang der Durlacher Allee auf deren Südseite (deshalb die großzügigen Vorgärten), danach entlang der Kapellenstraße auf deren Südostseite, um in Höhe der Waldhornstraße auf die Nordwestseite zu wechseln. Das Zurückweichen der Häuserfront dort hängt mit dem Verlauf des Landgrabens zusammen.

Danach läuft er unter dem Röser-Gebäude durch und weiter nördlich der Steinstraße. Durch das Schneiden von Adlerstraße und Markgrafenstraße entstand als Restfläche der Lidellplatz. Nach diesem verläuft er teilweise unter Gebäuden weiter, bis er auf den Marktplatz trifft. Dort trifft er auf den Südabzweig der Kombilösung, welche ihn unterquert. Danach läuft er weiter am Rathaus entlang unter der Nordseite der Hebelstraße und weiter unter Bankhof und südlichem Herrenhof.

Danach läuft er wieder unter einigen Gebäuden, um dann den Erbprinzenhof zu erreichen, den er nicht unter dessen Einfahrt, sondern unter dem westlich anschließenden Gebäude verlässt. Den „großen“ Ludwigsplatz unterquert er südlich des Imbisses, den „kleinen“ Ludwigsplatz zwischen der Erhöhung in Platzmitte und nördlicher Hausfront. Am Stephanplatz schneidet er die Ecke der Postgalerie und trennt diese dann von ihrer Tiefgarage. Danach läuft er unter Gebäuden durch zum Leopoldplatz, dessen Südkante er bildet. Ab ungefähr der Scheffelstraße verläuft er unter der Sophienstraße, nach einem Schlenker auf deren Südseite, wieder an der Häuserfront zu erkennen, unter der Straßenmitte bis nach Mühlburg. An der Kreuzung mit der Yorckstraße ist ein Einstieg.

Das kleine Natursteingebäude am Lameyplatz ist ein vor einigen Jahren gebauter Einstieg in den Landgraben. Dort kann man ihn gelegentlich besichtigen.

Hier knickt der Wasserstrom nach Norden Richtung Klärwerk Karlsruhe ab. Ein Überlauf führt weiterhin geradeaus in die Alb.

Führungen

Eingang zum Landgraben am Lameyplatz

Führungen sind möglich. Sie sind kostenlos und dauern etwa eine Stunde. Die Gruppengröße soll mindestens 30 Personen betragen, alternativ können sich kleinere Gruppen anderen anschließen. Termine und weitere Infos sind unter (0721) 133-7441 erfragbar.

Ort der Führung ist am Lameyplatz, Rheinstraße/Ecke Lerchenstraße.

Dieser Ort im Stadtplan:

(H)  nächste Haltestelle: Lameyplatz   

Siehe auch

Weblinks

Bilder