Volksbank Bruchsal eG
Die Volksbank Bruchsal war eine Genossenschaftsbank mit Hauptsitz in Bruchsal.
Das Geschäftsgebiet umfasste Bruchsal und seine Stadtteile (ohne Büchenau), Bad Schönborn, Hambrücken, Wiesental sowie Östringen ohne dessen Stadtteile.
Geschichte
Dem allgemeinen Trend folgend, erfolgte im April 1859 ein Aufruf von Mitgliedern des Bruchsaler Gewerbevereins zur „Gründung einer Vorschusskasse“ nach dem Modell von Hermann Schulze-Delitzsch zur Gewährung günstiger Kredite an seine Mitglieder. Dem Aufruf folgten 59 Mitglieder, die im Oktober den Gründungsvertrag unterzeichneten und zum 1. November den Geschäftsbetrieb der Kasse aufnahmen. Erster Vereinsvorsitzender wurde bis 1864 Anton Gutsch, gefolgt von Jakob Weber. Das „Eintrittsgeld“ von 12 Kreuzern war verglichen mit anderen Vorschusskassen niedrig.
Ab 1865 weitete die Vorschusskasse ihre Geschäftstätigkeit aus und ermöglichte Kontokorrentkredite für größere Gewerbetreibende sowie Wechsel für Mitglieder.
Die Mitgliederzahl wuchs von 59 bei Gründung auf 107 Ende 1861 und 594 im Jahr 1875. Mit 27,3 % stellte das Handwerk die größe Zahl an Mitgliedern, gefolgt vom Dienstleistungssektor (21,3%) und Landwirtschaft (14,6%). Der Frauenanteil lag in diesem Jahr bei 13,3%. Da die Mitgliedschaft nicht ortsgebunden war, kamen etwa 30% von außerhalb, wobei Schaffhausen die größte Distanz betrug.
Nach Verabschiedung des badischen Genossenschaftsgesetzes im Jahr 1870, das neue rechtliche Rahmenbedingungen schuf, nannte sich die Vorschusskasse fortan „Gewerbebank Bruchsal e.G.“.
Mitte der 1870er Jahre sank die Mitgliederzahl zunehmend, es kam aufgrund reichsweiter Wirtschaftsprobleme zu Kreditausfällen, die Reserven mussten aufgewendet werden und 50% des Stammkapitals der bald nur noch 383 Mitglieder wurden abgeschrieben.
Die erste eigene Geschäftsstelle wurde Anfang der 1870er Jahre in der Huttenstraße eingerichtet. 1878 sog die Bank in die |Friedrichstraße um. Nach überstandener Krise zog man schließlich in die Schillerstraße 12 um. Hier bot die Bank auch Verwahrung von Wertgegenständen im Tresor an. Als der Platzbedarf der Bank stieg, plante man einen Neubau. Der Plan wurde schlussendlich verworfen und das Bestandsgebäude zum Firmenjubiläum 1909 hin umgebaut.
Im Ersten Weltkrieg ging das Kreditgeschäft zurück, die beginnende Inflation machte der Bank schon zu Kriegszeiten zu schaffen. Laut Eigendarstellung gelang es dennoch die Jahre bis 1924 einigermaßen zu überstehen.
Die Folgen der Weltwirtschaftskrise trafen die Bank sehr. Jährlich gab es Verluste, Die Mitglieder , deren Zahl sich bis 1935 halbierte, mussten teilweise mit ihrem Geschäftsanteil haften. Stabilisierung gelang letztlich durch staatliche Unterstützung.
Nach der Machtübernahme der NSDAP in Bruchsal nahm auch die Gewerbebank Änderungen im Vorstand vor. 1933 wurde der Aufsichtsrat „gleichgeschaltet“, 1934 wurde der Vorstand mit Karl Heft und Ernst Halle neu besetzt. Heft war bereits 1928 bis 1932 Vorstandsmitglied gewesen und hatte diesen aus Spargründen verlassen. Anders als Halle blieb Heft nach Ende der NS-Diktatur noch bis 1967 im Amt.
Der reichsweiten Empfehlung des Genossenschaftsverbands folgend nannte sich die Gewerbebank 1942 in „Volksbank“ um.
Bei der Zerstörung Bruchsals am 1. März 1945 wurde auch das Bankgebäude in der Schillerstraße und dessen Inventar vollständig zerstört. Der Kassenbetrieb wurde provisorisch an verschiedenen Stellen wieder aufgenommen, unter anderem im Schlachthof Bruchsal. Ab Herbst 1945 wurden von der SEW Räume in der Durlacher Straße zur Verfügung gestellt. Zum 1. Dezember 1948 war die Rückkehr in das wiederaufgebaute Gebäude in der Schillerstraße möglich, das jetzt allerdings nur noch zwei Stockwerke hatte. Wenige Jahre später wurde der Platz zu klein und man strebte durch Grundstückstausch den Erwerb eines Bauplatzes am Friedrichsplatz für einen Neubau an. Nachdem sich die Bank nicht mit der Stadtverwaltung einig wurde, wurde schließlich ein Bauplatz in der Kaiserstraße erworben. 1959 wurde mit dem Bau eines vierstöckigen Gebäudes begonnen, das im oberen Teil Wohnungen beinhaltete. Die Kosten betrugen 550.000 DM zuzüglich 61.000 DM für zeitgemäße Technik. Die offizielle Einweihung der neuen Räume wurde im Mai 1960 gefeiert. Auf die Feier des 100jährigen Jubiläums war zuvor verzichtet worden, da kriegsbedingt in Bruchsal dafür keine Räumlichkeiten zur Verfügung standen.
Ab 1947 war ein Anstieg von Spareinlagen zu verzeichnen, in diesem Jahr stand die Bank im Passivgeschäft an der Spitze aller nordbadischen Genossenschaftsbanken. Darlehen wurden vor allem kurzfristig vergeben. Allerdings erwiesen sich die Folgen der Währungsreform und die damit verbundenen Ausfälle in Form von niedgringverzinsten „Ausgleichsforderungen“ an den Staat ab 1948 für die Bank als eine größere Belastung als für andere Volksbanken. Mehr als 80% der Bilanzsumme entfielen auf diese „Ausgleichsforderungen“. Noch Ende der 1950er Jahre wirkte sich dies auf die Liquidität der Bank aus.
Anfang 1964 eröffnete in Hambrücken die erste Zweigstelle der Bank. Diese wie auch die Hauptstelle wurde 1966 mit Panzerglas am Schalter ausgestattet, eine Neuerung, die bis dahin noch kein Bruchsaler Kreditinstitut vorgenommen hatte. Zwei Jahre später schloss sich die Bank der Fiducia an.
1970 fusionierte die Volksbank mit der Volksbank Östringen-Bad Mingolsheim. In diesen beiden Orten unterhielt man nun zusätzliche Filialen, dazu kamen Annahmestellen in Kronau und Heidelsheim.
1971/72 erfolgte die Renovierung und Erweiterung der Hauptstelle in der Kaiserstraße. Dabei wurde vor allem die Schalterhalle modernisiert. 1975 wurde die Filiale Östringen durch Kauf eines Gebäudes vollständig neu eingerichtet. In dieser Zeit hatte die Bank etwa 50 Mitarbeitende. Schrittweise wurden alle Geschäftsstellen online an die Fiducia angebunden.
1989 fusionierte die Volksbank mit der Spar-und Kreditbank Bruchsal und betrieb deren Hauptstelle in der Bahnhofstraße als Verwaltungsgebäude sowie als Wertpapierberatungszentrum weiter. Im selben Jahr erfolgte außerdem die Fusion mit der Raiffeisenbank Hambrücken. Die beiden Fusionen brachten die Verdoppelung der Mitgliederzahlen auf jetzt etwa 11.000. 1991 wurde die Raiffeisenbank Heidelsheim übernommen. Beide Banken, Heidelsheim und Hambrücken, hatten lange Zeit das auf dem Land übliche Warengeschäft mitbetreut und hatten sich besonders im Bereich Spargel hervorgetan. Mitte der 1980er Jahre war dieser Geschäftsbereich aber an die Zentralgenossenschaft übertragen worden.
Anfang der 1990er Jahre beschäftigte die Bank 110 Menschen. Es war die Zeit in welcher die ersten Schritte in Richtung SB und Online-Banking etabliert wurden.
Mitte des Jahrzehnts verzeichnete die Bank deutliche Verluste. Die Folge waren Auflösung von Rücklagen, Veränderungen im Vorstand und Veränderungen in der internen Struktur. Nachdem diese Maßnahmen Wirkung zeigten, wurde im Jahr 2001 die Fusion mit der Raiffeisenbank Bruchsal, die ihren Sitz in Untergrombach hatte, vollzogen.
2005 folgte schließlich die Fusion mit der Volksbank Bretten eG zur Volksbank Bruchsal-Bretten. Damit endete die Zeit mit Bruchsal als Hauptsitz einer Genossenschaftsbank, da die neue Bankzentrale künftig in Bretten lag.
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Filiale Heidelsheim (2011)
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Filiale Obergrombach (2011)
Literatur
- Martin Krauß: Die Geschichte der Volksbank Bruchsal-Bretten eG, 2014 im Verlag regionalkultur; ISBN: 978-3-89735-839-3