Volksbank Bretten eG

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Hauptstelle in der Melanchthonstraße

Die Volksbank Bretten eG war eine Genossenschaftsbank mit Sitz in Bretten.

Die Bank hatte zuletzt Filialen in Rinklingen, Diedelsheim, Gondelsheim, Neibsheim, Büchig, Bauerbach, Oberacker, Unteröwisheim, Oberöwisheim, Münzesheim, Gochsheim, Menzingen, Landshausen, Bahnbrücken, Flehingen und Knittlingen.

Geschichte

Die Gründung des Brettener Vorschussvereins erfolgte zum 1. Mai 1864 auf Anregung des großherzoglichen Bezirksamts. Zu den 38 Gründungsinteressenten zählten mit großer Mehrheit Handwerker. Die Statuten wurden nach dem Vorbild der Vorschusskasse Bruchsal gestaltet. Zum ersten Vereinsvorsitzenden wurde der Apotheker Ernst Salzer gewählt. Der spätere Brettener Bürgermeister Christoph Herzer wurde Kontrolleur. Das „Eintrittsgeld“ betrug 30 Kreuzer.

Zu einem Zinssatz von 4% konnten auch Spareinlagen getätigt werden. Erstmals wurde 1866 eine Dividende ausgezahlt. Sie betrug 20% und wurde nicht bar ausgezahlt, sondern auf die satzungsgemäße Erhöhung des Betrags der Geschäftsanteile angerechnet. Eigene Geschäftsräume hatte die Vorschusskasse nicht, die Tätigkeiten wurden in der Wohnung des Kassiers Josef Gaum durchgeführt.

Die Mitgliederzahl erhöhte sich von 167 im Mai 1865 auf 342 im Jahr darauf und im Juli 1867 auf 468. Davon waren mehr als ein Drittel Gewerbetreibende, vor allem Handwerker. Eine weitere große Gruppe stellte der Landwirtschaftssektor dar.

Ab 1869 waren Kontokorrentkonten bei der Vorschusskasse möglich. Im selben Jahr bot man erstmals Unterstützung bei der Immobilien-und Grundstücksfinanzierung an, in Form der damals gängigen „Kaufschillingen“ 1871 wurde der bisherige Aufsichtsratsvorsitzende Alexander Paravicini Vorsitzender, ihm folgte im Januar 1872 der nachgerückte Aufsichtsratsvorsitzende Georg Koegler. Der Bauunternehmer übte sein Amt jedoch zwitweise nachrrangig aus, da er Ende der 1870er Jahre mit dem Bau der Kraichgaubahn beschäftigt war. Koegler blieb bis März 1905 im Amt.

1874 wurden Räume in der Melanchthonstraße 7 angemietet, die als Geschäftsräume dienten. 1887 zog man in größere Räume in Haus Nr. 9 um, die bis 1914 als Geschäftsstelle genutzt wurden.

Mitte der 1870er Jahre sank die Eigenkapitalquote von 44,5 auf 26 %. Unter anderem durch Erhöhung des maximalen Mitgliedschaftsstammanteil wurde dem entgegengesteuert.

Anders als die Genossenschaftsbanken im Umfeld begann die Vorschusskasse Bretten ab Mitte der 1870er Jahre ihren Vorstandsmitgliedern ein regelmäßiges Gehalt auszuzahlen. Mit 3.500 Mark erhielt der Kassier aufgrund seiner Tätigkeit die höchste Vergütung. Auch dem Aufsichtsrat zahlte man eine Mark pro Sitzung.

Bis 1882 war die Mitgliederzahl auf über 2000 gestiegen, was etwa die Hälfte der Brettener Einwohnerschaft ausmachte. Auf diesem Niveau hielt sich die Zahl bis zu Beginn des Ersten Weltkriegs. Wiederholt war das Stammkapital erhöht worden, es war auch möglich geworden, für wohltätige Zwecke zu spenden.

1905 wurde Friedrich Amman neuer Direktor. Er hatte zuvor verschiedene Positionen in der Bank inne gehabt und blieb bis 1923 Leiter des Instituts.

1914 zog die Bank in das von der Reichspost gekaufte Gebäude Melanchthonstraße 33 um.

Im ging das Kreditgeschäft zurück, die beginnende Inflation machte der Bank schon zu Kriegszeiten zu schaffen. 1920 wurde die Umwandlung in eine „Genossenschaft mit beschränkter Haftung“ beschlossen, die 1922 in Kraft trat. Im Jahr darauf wurde der Verein in „Vereinsbank Bretten“ umbenannt. Im Zuge der Hyperinflation ab 1922/23 kam es zu Streit über die richtige Vorgehensweise. Ende des Jahres schied Direktor Amman aus, Guido R. Zitsch wurde zum Nachfolger gewählt. Unter diesem wurden zahlreiche ungedeckte Kredite vergeben, sein eigener Kredit war ebenfalls ungedeckt. Weitere Risiken nahm die Bank durch Wechselverpflichtungen auf sich, was 1924 dazu führte dass die Bank vor dem Konkurs stand, da die Reichsbank alle Wechseldiskontierungen einfror. Alternativ stand eine Fusion mit einer Großbank zur Diskussion, was politisch ebensowenig wie der Konkurs gewollt war. Vorbereitet wurde die Fusion mit der Sparkasse mit anschließender Gründung einer „Stadtbank“. Die Rahmenbedingungen wurden geschaffen, alle erforderlichen Zustimmungen lagen vor, ausgeführt wurde der Plan jedoch nicht. Von Seiten des Genossenschaftsverbandes waren Anstrengungen zur Sanierung unternommen worden, verschiedene Großbanken stützten das Kreditinstitut. Neuer Direktor wurde der aus Bühl kommende Philipp Platz.

Die Weltwirtschaftskrise überstand die Bank ohne größere Probleme. Die nationalsozialistische „Gleichschaltung“ unternahm die Bank 1934 durch Umbesetzungen im Aufsichtsrat. Den Wechsel im Vorstand im Vorjahr vollzog die Bank nicht im nationalsozialistischen Sinne.

Der reichsweiten Empfehlung des Genossenschaftsverbands folgend nannte sich die Gewerbebank 1941 in „Volksbank“ um. Nach Ende der NS-Herrschaft wurde der Aufsichtsrat neu zusammengesetzt um NSDAP-Mitglieder zu entfernen. Der Vorstand der Bank wurde als „unbelastet“ eingestuft und blieb unverändert.

1963 wurde nach dreijähriger Planungs- und Bauzeit der Neubau in der Melanchthonstraße 29/31 bezogen, da der Platz in der bisherigen Geschäftsstelle zu klein geworden war. Im Jahr darauf wurde eine Filiale in Knittlingen eröffnet.

1970 schloss sich die Bank der Fiducia an.

Dem allgemeinen Trend der Konsolidierung verschiedener genossenschaftlicher Gruppen folgend wurde im Jahr 1972 mit der Raiffeisenbank Bretten fusioniert. Unter dem Namen Volksbank Bretten Raiffeisenbank eGmbH betrieb die Bank an 10 Orten Filialen und übernahm von der Raiffeisenbank das Warengeschäft. In Rinklingen, Diedelsheim und Flehingen wurden „Demika“-Läden betrieben, welche die Erzeugnisse der Mitglieder zum Verkauf anboten. Die Milchsammelstellen der Raiffeisenbank wurden kurz nach der Fusion aufgegeben. 1973 wurde die Raiffeisenkasse Dürrenbüchig übernommen. Das Warengeschäft wurden im Laufe der 1970er Jahre schrittweise aufgegeben, zuletzt verblieb ein Warenlager mit kleinem Verkaufsraum in Sprantal, das 1985 geschlossen wurde.

1981-83 erfolgte die Vergrößerung und Modernisierung der Hauptstelle in Bretten, deren Neubau der 1960er Jahre durch Aufstockung und neu konstruierter Dachform optisch an den Altbau und damit ans allgemeine Stadtbild angepasst wurde. In dieser Zeit arbeitetet 53 Menschen bei der Bank, die 1986 um eine Filiale Bretten-Süd erweitert wurde. Durch die Fusion mit der Raiffeisenbank Gondelsheim-Neibsheim setzte sich das generelle Wachstum fort. Halle sich der Niedergang der Neff GmbH deutlich auf das Bankgeschäft ausgewirkt, war die Bank in den Jahren danach durch Vergaben von Förderkrediten an der Etablierung Brettens als Wirtschaftsstandort aktiv beteiligt. Das Ende der Malag wirkte sich daher kaum auf das Kreditinstitut aus. Mitte der 1990er Jahre entstand in der Melanchthonstraße das „Volksbank CashCenter“, ausgestattet mit allen zeitgenössisch aktuellen SB-Geräten, die

Durch die Fusion mit der Raiffeisenbank Kraichtal im jahr 1997 kamen mehr als 4.000 Mitglieder sowie neun Filialen zur Bank dazu. Wie bei früheren Fusionen mit Raiffeisenbanken wurde auch das Warengeschäft der abgebenden Bank übernommen und schrittweise eingestellt. Außerdem wurde die Mitarbeitendenzahl um 21 auf 150 reduziert. Zur Risikominimierung wurde eine zurückhaltende Kreditvergabe angekündigt.

2002 ging die Fusionsreihe mit der Aufnahme der Raiffeisenbank Sulzfeld weiter. Als erweiterte Folge der damit einhergehenden Anpassungen wurden fünf Filialen geschlossen, so das das vergrößerte Kreditinstitut am Ende noch 19 Zweigstellen hatte.

Im Jahr 2005 wurde die Fusion mit der Volksbank Bruchsal eG zur Volksbank Bruchsal-Bretten eG vollzogen.

Literatur

  • Gerhard Scheuble: 125 Jahre Volksbank Bretten Raiffeisenbank eG, 1989,
  • Martin Krauß: Die Geschichte der Volksbank Bruchsal-Bretten eG, Verlag regionalkultur, 2014, ISBN=978-3-89735-839-3