Paul Potyka

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Paul Potyka ( * 11. Mai 1888 in Straßburg, † 8. Januar 1971 in Freiburg) war Bürgermeister von Ettlingen sowie zweiter Bürgermeister in Baden-Baden

Leben und Wirken

Sein Vater Oswald Potyka stammte aus Schlesien und war in Straßburg Landeshauptkassenkassier. Seine Mutter stammte aus dem pfälzischen Annweiler.

Nach Abschluss des Lyzeums in Straßburg studierte Paul Potyka dort, in Kiel und in München Rechtswissenschaften. Im Sommer 1910 legte er das erste Staatsexamen ab. Es folgte im Herbst des selben Jahres die Promotion in Heidelberg „cum laude“. Im Oktober 1910 meldete er sich zum einjährigen freiwilligen Militärdienst. Infolge eines Unfalls beendete er diesen im Juni 1911 wieder. Bis 1914 befand sich Potyka im juristischen Vorbereitungsdienst und unternahm Studienreisen ins europäische Ausland. Das Zweite Staatsexamen bestand er im Frühjahr 1915 als Jahrgangsbester. Zum Kriegsdienst wurde er eingezogen, aufgrund seiner Verletzung vier Jahre zuvor aber kurz darauf wieder entlassen. Die Zeit bis Kriegsende verbrachte er in der inneren Verwaltung Elsaß-Lothringens als Beamter, ab August 1918 im Rang eines Regierungsamtmann. Seinen Dienstort im elsässischen Mühlhausen musste er am 20. November 1918 verlassen.

Im März 1919 wurde er Zweiter Bürgermeister in Lörrach. Am 27. Dezember 1919 heiratete er die im Elsass bekannte Schriftstellerin Lina Ritter. Am 10. September 1922 wurden dem Ehepaar Zwillingstöchter geboren.

Bürgermeister in Ettlingen

Nachdem der bisherige Ettlinger Bürgermeister, Josef Hügel, zum Bürgermeister von Weinheim gewählt worden war, wurde die freigewordene Stelle mit der Maßgabe ausgeschrieben, dass Bewerber das Zweite juristische Staatsexamen und bereits praktische Erfahrung in der Kommunalverwaltung haben sollten. Potyka bewarb sich und wurde am 26. Juli 1920 vom Gemeinderat gewählt. 53 Stimmen fielen auf ihn, dazu kamen fünf Enthaltungen und sechs ungültige Stimmen.

Potykas grundsätzliche Zielsetzung war eine ausgeprägtere Sozialpolitik sowie den Wandel Ettlingens von einer Landgemeinde zu mehr städtischen Strukturen. Dabei hatte er zunächst die Unterstützung seiner Partei sowie der SPD. Die übrigen Gruppierungen forderten eine strikte Sparpolitik und stellten sich gegen Potykas Weg.

Diese Debatte zog sich durch die gesamte Amtszeit Potykas. 1925/26 ging er erfolgreich gerichtlich gegen einen Zeitungsleserbriefschreiber vor, der dem Bürgermeister Verschwendungssucht vorwarf.

Direkt nach Amtsantritt sagte Potyka die Schaffung neuer Arbeitsplätze zu. Hierfür nahm er das unter seinem Amtsvorgänger erörterte, aber aus finanziellen Gründen abgelehnte Projekt der Alb-Regulierung wieder in Angriff. Nach mehreren Anläufen erhielt Ettlingen im Rahmen der „Notstandsarbeit“ 1926 einen höheren staatlichen Zuschuss. 137 Arbeitsplätze wurden damit neu geschaffen, zudem war damit die Hochwassergefahr reduziert worden. Auf dem selben Weg wurde die seit Jahrzehnten in Ettlingen diskutierte Kanalisierung der Abwässer von Potyka vorangetrieben, die in drei Abschnitten bis 1929 stadtweit durchgeführt wurde.

Die als Folge der französischen Ruhrbesetzung und deren deutschen Gegenmaßnahmen stark gestiegene Hyperinflation hatte auch in Ettlingen verstärkt Arbeitslosigkeit und Lebensmittelknappheit zur Folge. Potyka initiierte Spendensammlungen und ein wertbeständiges Darlehen, über welches weitere Hilfen organisiert werden konnten. Das in dieser Zeit ausgegebene Notgeld wurde von Lina Potyka-Ritter mitgestaltet.

Ein weiteres Projekt wurde ab 1925 die Verlegung der „Landstraße Nr.1“ aus der Altstadt. War dies im Prinzip unstrittig, erhielt Potyka Widerstand bei der Art und Finanzierung der Verlegung. Letztlich setzte er sich durch. Die feierliche Einweihung wurde auf der neuen Brücke an der Schillerstraße gefeiert, mitgestaltet von Potykas Frau.

Im November 1921 rief Potyka zu Spenden für ein zu erstellendes Gefallenendenkmal auf und zählte selbst zu den ersten Spendern. Im August des darauffolgenden Jahres stimmten er und ein Großteil des Gemeinderats einem für zeitgenössische Verhältnisse ungewöhnlichem Entwurf von Oskar Kiefer zu, der in der Öffentlichkeit kontrovers diskutiert wurde. Schlussendlich setzte sich Potyka hinsichtlich der Gestaltung und des Standorts am Rathausturm durch und erreichte die Einweihung zum Stadtjubiläum 1927, obwohl Kiefer seine Arbeit noch nicht vollendet hatte.

Nach 1926 verlor Potyka den uneingeschränkten Rückhalt der Zentrumspartei, während die Sozialdemokraten den Bürgermeister voll unterstützten. Dessen Gegner präsentierten bei der anstehenden Wahl 1929 mit Regierungsrat Gustav Kraft einen in Ettlingen geborenen Gegenkandidaten aus Potykas eigener Partei. Kraft erhielt 42 Stimmen, Potyka 30.

Nach Ettlingen

Nach seiner Abwahl fand Potyka Anstellung als Rechtsanwalt am Oberlandesgericht Karlsruhe. Am 30. Januar 1930 wurde er zum Bürgermeister in Baden-Baden gewählt und trat die Stelle drei Wochen später an. Dabei musste er fast ein Jahr lang den erkrankten Oberbürgermeister Elfner vertreten.

Gegen die Stadt Ettlingen klagte er 1929 auf Umzugsvergütung, die der Gemeinderat abgelehnt hatte. Man einigte sich auf einen Vergleich über 400RM.

Im November 1931 stellte die Stadt Ettlingen seine Pensionszahlungen ein, Potyka klagte vor dem Landgericht Karlsruhe erfolgreich dagegen.

Als er Mitte April 1933 aus politischen Gründen beurlaubt werden sollte, wehrte Potyka sich zunächst unter Berufung auf den nicht eingehaltenen Dienstweg erfolgreich dagegen. Einen Monat später kam die Anweisung direkt von Gauleiter Robert Wagner, und der Bürgermeister musste gehen. Kurz danach erlitt er einen Herzinfarkt und hatte ab da immer wieder Herzprobleme.

Nachdem es Potyka nicht gelungen war, in Baden-Baden eine Arbeitsstelle zu finden, zog die Familie nach Freiburg wo der ehemalige Bürgermeister die Anwaltskanzlei eines verstorbenen Kollegen übernehmen konnte. Da er als Regimekritisch bekannt war, lief die Kanzlei jedoch schlecht. Nach Beginn des Zweiten Weltkriegs vertrat er bewusst zusätzlich von der Todesstrafe bedrohte Klienten aus seiner alten Heimat.

Bei Kriegsende wurde die Familie ausgebombt. Als bekannter NS-Gegner erhielt Potyka schon kurz nach Kriegsende wieder die Zulassung als Rechtsanwalt. Da er auch Partei-Mitglieder unteren Ranges verteidigte, wurde ihm zugetragen, den ehemaligen badischen Gauleiter Robert Wagner zu verteidigen, was Potyka jedoch ablehnte.

Seinem Antrag auf Entschädigung als politisch Verfolgter wurde 1951 stattgegeben: Die Stadt Baden-Baden musste einmalig ca. 5.600 DM bezahlen sowie seine Pension so berechnen, als sei er bis 1939 im Amt gewesen. Seine späteren Versuche, wieder für die Baden-Badener Stadtverwaltung tätig zu werden, blieben erfolglos. Nach seinem ersten Schlaganfall 1948 war ihm dieser Weg auch formal nicht mehr möglich.

In seiner Freizeit spielte Potyka Geige und ging Skifahren. Zudem war er im Freiburger Geschichtsverein aktiv.

Im Alter kamen zu den Herzproblemen weitere Erkrankungen hinzu. Er starb am 8. Januar 1971 in Freiburg, wo er auch beigesetzt wurde.

Literatur

  • "Paul Potyka Ettlingens vergessener Bürgermeister" von Gerold Niemetz. Beiträge zur Geschichte der Stadt Ettlingen, Band 15, ISBN: 3897351528