Benutzer:JuWis/Grünwinkel und seine Umgebung

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Das Dorf Grünwinkel
Wir haben im vorhergehenden Abschnitt die erste Siedlung in Grünwinkel kennen gelernt und die Geschichte des Gutshofs bis 1596 verfolgen können. Von da an fehlt uns für 100 Jahre aber auch fast jegliche Nachricht. Wir sind zur Annahme berechtigt, dass im dreißigjährigen Krieg der Hof wie so manche blühende Siedlung unserer Heimat von den Einwohnern verlassen und einer Art Verödung preisgegeben wurde.

In einem Schatzungsbuche vom Jahre 1652, welches sämtliche herrschaftliche Güter in unserer Gegend, so zu Daxlanden, Bulach u.a. O. aufzählt, wird Grünwinkel nicht erwähnt. Auch andere Verzeichnisse und sonstige Akten aus der Zeit kurz nach dem dreißigjährigen Krieg erwähnen nirgends den Grünwinkler Hof, der doch vor dem Krieg eine nicht unbedeutende Rolle gespielt hatte. Das lässt offenbar darauf schließen, dass er nicht bewohnt und nicht bewirtschaftet war. Erst aus dem Jahre 1673 haben wir wieder eine Nachricht von ihm.
Der Ettlinger Untervogt Karl Heinrich Holl fragt im Juni 1673 bei der Kammerdirektion in Baden an, ob er den Crewinckhel "uff gewiße Jahr der gilt halber verleihen sollte, falls mit des prachens großer Zeit länger eingehalten werden sollte". Demnach war eine Zeit lang kein Gilt-Pacht entrichtet worden, und zwar wohl aus dem Grund, weil der Hof brach lag. Die Anfrage des Untervogts geschieht, wie er ausdrücklich betont, "uff nochmahliges Ansuchen der Gemeind Dachslandt (Daxlanden)". Das Interesse der Dachslander (Daxlander) an der Wiederverpachtung des Hofgutes mag sich daraus erklären, dass die Bauern Weid- oder Nutzgeld brauchten. Unterm 26. Juni 1673 erhält dann der Untervogt vom Markgrafen Wilhelm den Auftrag, "den Grewinckhel (Grünwinkel) so hoch es sein mag", auf zwei Jahre zu verleihen. In welcher Weise der Auftrag zur Ausführung kam, und wer den Hof pachtete, entzieht sich unserer Kenntnis (noch); es fehlen hierüber die Akten. Auch darüber, wie sich aus dem Hofgut das Dorf selbst entwickelt hat, habe ich (Bened.Schwarz) keine direkte schriftliche Aufzeichnungen finden können. In einer Bittschrift der Gemeinde Grünwinkel an den Markgrafen August Georg von Baden-Baden vom Jahre 1768 heißt es: "Ew.Hochfürstl.Durchlaucht dürfte vielleicht annoch gnädigst rückerinnerlich beiwohnen, daß hochfürstl.deroselben Frau Mutter den Ort Grauwenwinkel hat anlegen lassen". Diese Frau Mutter war die Markgräfin Auguste Sybille, die Gemahlin des Markgrafen Ludwig von Baden, der unter dem Namen Türkenlouis bekannt ist. Der Umstand, dass die Markgräfin sich viel in Ettlingen im Schloss aufhielt, und der Markgraf des öfteren in den benachbarten Schanzen der Ettlinger Linien weilte, berechtigt uns zur Annahme, dass beide dem Grünwinkler Hof besondere Aufmerksamkeit zuteil werden ließen. Auf einer alten Gemarkungskarte finden wir noch zwei Stellen im heutigen Blömfeld als Schanze eingezeichnet; die eine ist ungefähr da, wo heute die Kapelle steht, am Knie der Alb, die andere an der Mühlburger Brücke.(..wird fortgesetzt JuWis)

Zitat aus 
Grünwinkel und seine Umgebung
Ein Heimatbuch für Jung und Alt von Bened. Schwarz Druck u.Verlag der Sinner A.-G.Karlsruhe-Grünwinkel (Baden) 1925