St. Stephan

Aus dem Stadtwiki Karlsruhe:
Wechseln zu: Navigation, Suche
Gesamtansicht vom Friedrichsplatz aus gesehen, 2005

St. Stephan ist die älteste katholische Kirche in Karlsruhe, mit 800 Besucherplätzen auch die größte.

Kirchengemeinde

St. Stephan bildet das Zentrum der Pfarrgemeinde St. Stephan.

Geschichte

Ruinen der Kirche St. Stephan und des Ständehauses nach dem Zweiten Weltkrieg

Die Karlsruher Katholiken durften sich aufgrund der Bestimmungen im Privilegienbrief von 1715 zwar frei entfalten, aber keine eigene Kirche bauen. So entstand in der Lammstraße ein provisorisches Bethaus, welches 1765 in erweiterter Form neu gebaut wurde.

Erst am 28. März 1804 genehmigte Kurfürst Karl Friedrich den Bau einer richtigen Kirche einschließlich Pfarr- und Schulhaus. Da die Gemeinde gänzlich mittellos war, wurde Friedrich Weinbrenner mit den Planungen zu einer Erweiterung des Lammstraßen-Provisoriums beauftragt, welches unter anderem mit finanzieller Begünstigung aus dem Vatikan hätte finanziert werden können.

Aus dem Vermächtnis von Markgräfin Maria Victoria von Baden-Baden wurden der Gemeinde schließlich 60.000 Gulden überlassen, das bereits erschlossene Grundstück in der Erbprinzenstraße wurde ihr ebenfalls geschenkt.

Nun entbrannte ein Streit zwischen Kirchengemeinde und Friedrich Weinbrenner, der einen pantheonartigen Bau ohne Turm realisieren wollte, während die Gemeinde einen klassischen Bau mit Langhaus und hohem Turm wünschte. Der Wunsch der Gemeinde, eine Kirche für 3000 Gottesdienstbesucher zu errichten war aus Kostengründen nicht realisierbar.

Weinrenner ignorierte auch liturgische Einwände, wonach ein Rundbau eher der Protestantischen Tradition entspräche. Er hatte den Kathedralenstil bereits mit der Evangelischen Stadtkirche verwirklicht und wollte sich architektonisch nicht wiederholen.

Mit der Einheirat der katholischen Prinzessin Stephanie in das badische Herrscherhaus gewann die Gemeinde eine bedeutende Fürsprecherin. Auf ihre Initiative von verfügte der Großherzog am 25. Mai 1808, dass über alle ästhetischen Bedenken hinweg ein Turm zu bauen sei. Weinbrenner fügte sich und konnte seine Idee von einem Rundbau beibehalten.

Aus Geldgründen verzichtete die Gemeinde auf die üblichen Zusatzgebäude sowie auf die eigentlich geplanten Säulenhallen auf dem Kirchenvorplatz

Am 8. Juni 1808 wurde der Grundstein gelegt. Der Text der darin eingelassenen Urkunde lautet:

Möge diese Kirche jedem Betenden Trost und Hilfe,
den Lernbegierigen Unterricht,
Heil allen Guten und den Edlen, welche hierzu beitragen,
Glück und Segen auf immer gewähren.

Aufgrund von Schwierigkeiten beim Bau konnte die Weihe erst am 26. Dezember 1824 erfolgen.

Ab 1831 begannen schrittweise Veränderungen: Die aus Konstanz stammende Malerin Marie Ellenrieder schuf im Auftrag des Großherzogs ein Hochaltarbild zum Thema „Die Steinigung des Hl. Stephanus“. Außerdem wurde aus Konstanz ein 1598 geschaffenes Relief von Hans Morinck ins Inventar eingeführt.

1880 wurde der Putz von den Wänden geschlagen um der Burgenromantik jener Zeit Rechnung zu tragen.

Im September 1944 brannte die Kirche nach einem Bombenangriff ab. Der Wiederaufbau wurde vom erzbischöflichen Architekt Hand Rolli geleitet, welcher eine neuartige Kuppelkonstruktion aus 64 vorgefertigten Betonteilen anwandte. Durch diese Konstruktion und dem weg gelassenen Wandputz ist die Optik, die Friedrich Weinbrenner im Sinn hatte, völlig verändert. Die Wiederinbetriebnahme der Kireche erfolgte am 12. Mai 1951

Das Innere der Kirche wurde vom 10. Januar 2011 bis Dezember 2011 saniert. Im Zuge der Baumaßnahmen wurde der Innenraum neu strukturiert: der Altar und das Lesepult wird in die Mitte verlegt und die Bänke rundherum angeordnet. Finanziert wurde der zwei Millionen Euro teure Umbau über eine Drittelfinanzierung: ein Drittel Rücklagen, ein Drittel über einen Kredit und der letzte Teil durch Spenden. Die Pläne fanden nicht nur Zustimmung. Die Kirche wurde zum Namensfest am 26. Dezember 2011 durch Erzbischof Robert Zollitsch neu geweiht.

Orgeln

Die erste Orgel war eine Silbermannorgel[1]. Nach deren Zerstörung 1944 wurde 1959 eine neue Orgel gebaut. Mit steigenden Ansprüchen an die musikalischen Möglichkeiten wurde die Klais-Orgel[2] ab 1969 weiter ausgebaut und verfügte über 62 Register. Im Zuge der Sanierung der Kirche 2011 wurde auch die Klais-Orgel überarbeitet: Etwa 90 Prozent der knapp 5.000 Orgelpfeifen und das Gehäuse wurden übernommen, der Rest ist neu. Die Kosten lagen bei rund 1,05 Millionen Euro. Die Orgel wurde ab März 2012 wieder aufgebaut, erklang am 29. September 2012 erstmals in neuer Form und wurde durch Weihbischof Paul Wehrle geweiht.

Zusätzlich zur Hauptorgel gibt es eine kleine Chororgel mit 11 Registern.

Kunstwerke

Der Künstler Emil Wachter hat 1963 für die Kirche zwei Wandteppiche kreiert, mit der Trilogie „Stefanus und die Heilsgeschichte“. Außerdem hat er einige Fenster gestaltet.[3]

Glocken

Weihnachtsglocke

St. Stephan besitzt als eine von wenigen Kirchen eine Weihnachtsglocke. 1866 wurde die Glocke bei der Konstanzer Gießerei Karl Rosenlächer gegossen; sie trägt die Inschrift „Durch Carlsruhe's Liebe neu gegossen” und eine Stallszene mit Maria, Josef und dem Jesuskind. Offiziell heisst die Glocke mit dem Ton b0 „Ludwigsglocke”.

Geschichte der Glocken

Die ersten fünf Glocken stammten aus der ehemaligen Klosterkirche St. Blasien. 1827 und 1866 wurden Glocken umgegossen. Im Ersten Weltkrieg mußten zwei abgeliefert werden. Im Zweiten Weltkrieg sollten 1941/1942 alle Glocken im Land eingesammelt und nach Hamburg gebracht werden, um vernichtet zu werden (Sie galten als Symbol der Freiheit – Ob es um Materialverwertung ging, ist unklar). Es gab Versuche, die Karlsruher Glocke vor dieser Reise zu bewahren, aber ohne Erfolg. Im Sommer 1942 kam sie auf den Glockenfriedhof nach Hamburg. Letztlich war aber genau dies ihre Rettung, da St. Stephan 1944 abgebrannt ist, und damit wurde auch die noch vorhandene kleine Taufglocke zerstört. In Hamburg jedoch haben Mitarbeiter – verbotenerweise – besonders schöne Glocken vor ihrem Tod gerettet, und so kam sie 1947 wieder im Mannheimer Hafen an und wurde der Kirche zurückgegeben.

Heutiger Stand

Das Geläut befindet sich im 43m hohen Turm. Es wurde in Nachkriegsjahren bis 1986 schrittweise wiederaufgebaut und erweitert. Die Tonfolge lautet nun:
ges0 b0 des′ es′ f′ as′ b′ des′′ es′′ f′′ as′′

Bilder

Innenraum

Lage

Der Platz zwischen Kirche und Herrenstraße hat keinen Namen. Inoffiziell wird er oft als „Kirchplatz St. Stephan“ bezeichnet und wurde im Sommer 2005 neu gestaltet.

Auf der anderen Seite der Kirche liegt der Friedrichsplatz. St. Stephan liegt nicht am Stephanplatz.

Auf der gegenüberliegenden Seite der Erbprinzenstraße befindet sich die Badische Landesbibliothek.

Dieser Ort im Stadtplan:

Adresse

Kirche St. Stephan
Erbprinzenstraße 16
76133 Karlsruhe
(H)  nächste Haltestelle: Herrenstraße   

Literatur

  • Kirchenführer St. Stephan, Karlsruhe. Verlag Schnell & Steiner GmbH, Regensburg. ISBN 978-3-7954-5928-4
  • Hans Rolli, Richard Bellm: Die St.-Stephanskirche in Karlsruhe. München 1974.
  • Arthur Valdenaire: Die St. Stephanskirche in Karlsruhe. München 1939.

Weblinks

Fußnoten

  1. Die deutschsprachige Wikipedia zum Thema „Silbermann-Orgel“
  2. Die deutschsprachige Wikipedia zum Thema „Johannes Klais Orgelbau“
  3. http://www.emil-wachter-stiftung.de/%D6ffentliche_Arbeiten?id=76133KatholischeKircheStStephan