Schloss Staffort

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Das Schloss Staffort war ein Gebäude in Staffort.

Geschichte

Grundriss des Stafforter Schlosses - Schmalkalders Plan von 1689
Sitzbank aus Steinen der ehemaligen Schlossmauer in der Nähe des früheren Schlosstores
Info-Tafel zur Sitzbank vor dem ehemaligen Schlossgelände
Stafforter Schlossbuckel - historische Aufnahme der Reste des ehemaligen Schlosses

Wann das Stafforter Schloss entstand ist bis heute ungeklärt. Es kann jedoch davon ausgegangen werden, dass schon zur Römerzeit an der Handelsstraße von Hochstetten zur römischen Station Stettfeld an der „steten Furt“, dem Übergang über den „Sumpfbach“ (der Pfinz) ein römisches Kastell bestanden hat. Immerhin vier römische Teller mit dem Töpferstempel JUCUNDUS und DOMINA -TUS FE wurden hier gefunden. Auf den Grundmauern dieser römischen Befestigung wird wohl das steinerne Haus des „Ritters von Staphurt“ entstanden sein. Im Jahr 1157 wird Ruedegerus de Staphurt zum ersten Mal als Dienstmann des Bischof von Speyer urkundlich erwähnt. Im Jahr 1377 stellte sich Gerhard von Staphurt in den Dienst des badischen Markgrafen als Edelknecht. Nach mehreren Auseinandersetzungen zwischen dem Bischof von Speyer Ruprecht von der Pfalz und Markgraf Bernhard I. von Baden verblieben Schloss und Dorf ab 1424 endgültig in badischem Besitz. Es wurde beschrieben, dass der Dienstsitz der Ritter und späteren Vögte des Amtes Staffort samt den hinzugekommenen Wirtschaftsgebäuden wie Pferdestall, Scheune, Vorratshäuser und Waffenhäuser durch Graben, Wall und Mauer umschlossen wurden. So entstand allmählich die Burg, die später als Schloss bezeichnet wurde.

Das Stafforter Schloss wurde auch als Wasserschloss, Wasserburg und Tiefburg bezeichnet und ist in Schmalkalders Plan von 1689 als Grundstücksplan dargestellt.

Die Schlossinsel inmitten des kreisförmig geführten Wassergrabens, der aus der Pfinz gespeist wurde, war im Westen durch einen mit zwei turmartigen Verstärkungen versehenen Mauerzug abgeschlossen, während im Osten Gebäude unmittelbar aus dem Wasser aufragten. Das Torhaus mit achteckigem Pyramidendach und die Zugbrücke über den Graben lagen im Süden. Eine schmale, beidseits von Bäumen begleitete Wasserrinne umzog die ganze Anlage in einiger Entfernung, zwischen sich und dem breiten Hauptgraben einen Gebäudestreifen belassend. Dessen östliche Hälfte umfasste den in regelmäßige Beete aufgeteilten Schlossgarten. Der westliche Teil war durch Palisaden geschützt und enthielt drei Gebäude, von denen das mittlere als Zollhaus bezeichnet wird. Es ist auch nachzulesen, dass sich "gleich am Eingang des Schloßthors an der rechten Seyten, 15 Stufen tief gelegen", das Gefängnis befand.

Das Schloss mit Vogt bzw. Amtmann diente als Grenzstation zum Bistum Speyer und Steuereinnehmer (Finanzamt) der Region. Ein Geleitstein in Schlossnähe bestätigte den militärischen Schutz des Markgrafen auf der Straße von Staffort nach Durlach und umgekehrt. Im Jahr 1600 befahl Markgraf Ernst Friedrich, die Burg für den Verteidigungsfall vorzubereiten, als Zuflucht für einen möglichen Krieg, den er allerdings nicht mehr erlebte: Er starb 1604 bei Remchingen im Alter von 44 Jahren.

Durch das Weiße Regiment, das mit 20.000 Mann 1622 vom Schloss und Dorf Staffort auf der Seite der Protestanten zur Schlacht bei Mingolsheim – der Schlacht am Ohrenberg (27. April 1622) – aufbrach, um sich am Dreißigjährigen Krieg (16181648) zu beteiligen, war die Stafforter Herrschaft letztmals militärisch bedeutend.

Bis zur Reformationszeit hatte das Schloss eine eigene Kapelle mit einem Frühmessgeistlichen. Der Garten beim Schloss hatte eine Größe von einem Morgen (36 Ar), ein Obsthain war vorhanden und auch von Fischreichtum im Schlossgraben wurde berichtet. Das Schloss dürfte zur Reformationszeit in seinem besten Zustand gewesen sein und wurde von Markgraf Ernst Friedrich oftmals besucht. Gerade in dieser Zeit haben die badischen Markgrafen den Ort berühmt gemacht. Sie nahmen aktiv teil an den Auseinandersetzungen ihrer Zeit um die "rechte Lehre". In der eigenen Druckerei im Stafforter Schloss wurden Bücher gedruckt, welche die Religionspolitik der Markgrafen von Baden-Durlach erklären und rechtfertigen sollten. Den literarischen Höhepunkt erlebte das Schloss durch den Druck des „Stafforter Buches“ durch den Buchdrucker Bernhardt Albin im Jahr 1599. Markgraf Ernst Friedrich von Baden-Durlach, ab 1584 Herr der unteren Markgrafschaft und Calvinist, legte damit ein Kompendium der reformierten Lehre vor.

In kriegerischen Auseinandersetzungen wurde das Schloss verschiedentlich in Mitleidenschaft gezogen oder gar verwüstet: Anno 1273 wurde die Burg als damaliges Eigentum des Markgrafen Rudolf I. durch Kaiser Rudolf von Habsburg zerstört. Im Jahr 1404 war es der Pfalzgraf bei Rhein, der die Burg niederbrannte und das Dorf bis auf die Grundmauern vernichtete. 1627 wurde Staffort von Bauernhaufen aus dem Bruhrain, die dem siegreichen Heere Tillys folgten, ausgeplündert und verbrannt und 1676 wurde es durch französische Truppen zerstört. Ein erneuter Schlag traf das Schloss 1681: Am 10. Juli schlug der Blitz in den Turm und verursachte eine Pulverexplosion. Diesmal ging es an die Substanz. Der mächtige Turm wurde bis auf die Grundmauern zerrissen.

Im Jahr 1689 vollendeten Frankreichs Truppen unter General Melac während des Pfälzischen Erbfolgekriegs das Zerstörungswerk. Das Dorf, das Schloss und der markgräfliche Bauhof wurden dem Erdboden gleichgemacht. Ein Bericht von 1692 besagt, dass das Stafforter Schloss „ganz und gar verbrannt und zersprengt“ sei. Wenngleich das Dorf und das Schloss im Laufe der Geschichte immer wieder aufgebaut wurde, so verzichtete man nach der letzten Zerstörung auf einen Wiederaufbau des Schlosses.

Für den Bau des Jagdschlosses Stutensee ließ die Herrschaft die Bausteine von der Trümmerstätte des Stafforter Schlosses entnehmen. Manches Fundament eines Bauernhauses wurde ebenfalls aus den soliden Bruchsteinen des einstigen Herrensitzes errichtet. An Stafforter Scheunen finden sich Mauerstücke aus dem Schloß auch der Stafforter Kirchhügel soll aus Abraum des Schlosses stammen. Teile eines Türstockes wurden in der Heglach gefunden, konnten aber bisher nicht geborgen werden.

Heute ist ein unscheinbarer Hügel am westlichen Dorfeingang von Staffort, der Schlossbuckel, der bescheidene Hinweis auf das Stafforter Schloss und dessen ehemalige Bedeutung für die Region.

Literatur

  • Konrad Dussel: Staffort 1110 bis 2010: Streifzüge durch 900 Jahre Geschichte, Verlag Regionalkultur Heidelberg, Ubstadt-Weiher, Basel 2010 ISBN 978-3-89735-622-1
  • Wilhelm Otto Hauck: Staffort – Schloß und Dorf an der steten Furt (Ortschronik), Gemeinde Stutensee 1993
  • Artur Hauer: Das Hardtdorf Spöck, Verlag Chr. Faaß Karlsruhe 1923; Neuauflage 1965 Heimat- und Kulturfreunde Spöck e.V.
  • Hanna Heidt: Erinnerungen an die Vergangenheit. Eigenverlag, Schwanen Stutensee-Staffort 2003
  • Manfred G. Raupp: Die Stafforter Geschlechter 1669–1975; Sippenbuch Manuskript hinterlegt im Stafforter Bürgerbüro und in der Evangelischen Kirchengemeinde Staffort
  • derselbe: Was der Großvater schon wusste – Gedanken zur Entwicklung der Landwirtschaft in Staffort; verfasst zum Andenken an Gustav W. Raupp (1905-1985). Eigenverlag, Lörrach und Stutensee-Staffort 2005
  • derselbe: 4000 Jahre Stete Furt und 350 Jahre Kirchenbuchaufzeichnungen; Stutensee-Staffort 2010.
  • derselbe: Ortsfamilienbuch Staffort, Herausgeber Stadt Stutensee, Verlag Gesowip Basel 2010, ISBN 978-3-906129-64-8

Weblinks