Heilig-Kreuz-Kirche (Knielingen)

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Heilig-Kreuz-Kirche Knielingen (Nordseite)
Heilig-Kreuz-Kirche Knielingen (Apsis und Seitenschiff)
Portal der Heilig-Kreuz-Kirche Knielingen

Die Heilig-Kreuz-Kirche ist eine katholische Kirche in der Reinmuthstraße in Knielingen.

Die Kirche ist Zentrum der Pfarrei Heilig-Kreuz (Knielingen) in der Katholische Kirchengemeinde Karlsruhe Allerheiligen.

Allgemein

Sie wurde 1961 nach Plänen des bekannten Karlsruher Kirchenbauarchitekten Werner Groh unter Mitarbeit von H. G. Klotz erbaut. Bemerkenswert ist der an frühchristliche Vorbilder erinnernde strenge Kirchenraum mit seiner ohne weiteren Absatz aus dem Schiff sich entwicklenden halbrunden Apsis. Die Innenwand des Chores zeigt eine Wandgestaltung mit den 12 Toren des Himmlischen Jerusalems in Mauertechnik nach Entwürfen von Emil Wachter. Die Kirche ist aus architekturgeschichtlichen und künstlerischen sowie aus heimatgeschichtlichen Gründen ein Kulturdenkmal.

Kirchenbau

Vorgeschichte Notkirche

Am 16. Dezember 1886 wurde die Pfarrkuratie St. Peter und Paul (Mühlburg) errichtet, zu der bis 1923 als Filiale Knielingen gehörte. Für einen späteren Kirchen- und Pfarrhausbau wurde 1919 ein rund 247 Ar großes Gelände am Karlsruher Weg erworben. Die Zahl der Katholiken im Diasporagebiet von Peter und Paul, umfassend Knielingen, Maxau sowie 6 weitere Hardtgemeinden, belief sich im Jahre 1921 auf insgesamt 482 (282 in Knielingen und Maxau). Am 1. April 1921 wurde das Gasthaus ”Zum Hirschen” erworben. Den einstöckigen Saal baute man nun nach dem Kauf zu einer Notkirche aus, den Wirtschaftsraum als Kinderschule. Die Einweihung der Notkirche durch Dekan Link erfolgte am 15. Oktober 1922.

Am 25. Juli 1923 wurde die Pfarrkuratie Knielingen errichtet und dieser die Heilig-Kreuz-Kirche zur Benützung zugewiesen.

Auch die Katholiken von Maxau, Teutschneureut, Welschneureut, Eggenstein, Leopoldshafen, Linkenheim und Hochstetten gehörten zur neuen Kuratie.

Die Pfarrei Heilig Kreuz Knielingen wurde 1954 errichtet.

Kirchenbau

Durch einen Tauschvertrag wurde das 247 Ar große Gelände am Karlsruher Weg gegen den Kirchenbauplatz (73,19 Ar) an der Ecke Heckerstraße/Herweghstraße getauscht. Er bietet auch Platz für ein Pfarrhaus.

Um Entwürfe für die neu zu planende Kirche zu erhalten, veranstaltete die Katholische Gesamtkirchengemeinde Karlsruhe einen Wettbewerb, zu dem 2 Architekten eingeladen wurden, Dipl. Ing. Otto Hess und Architekt Werner Groh, beide Karlsruhe. Dem Entwurf von W. Groh wurde schließlich der Zuschlag erteilt. Am 10. Januar 1960 erfolgte die Grundsteinlegung durch Dekan Karl Fluck. Am 12. März 1961, dem Sonntag ”Laetare", wurde die neue Heilig-Kreuz-Kirche durch Missionsbischof Augustin Olbert konsekriert. Neben der Kirche in der Heckerstraße wurde 1962 ein neues Pfarrhaus errichtet. 1966 folgte auf dem gleichen Gelände ein neuer Kindergarten und 1970 vor der Kirche das heutige Gemeindehaus.

Ende 2001 bis 2002 wurde die Kirche außen renoviert. Da der Sandstein Wasser zog und zur Wärmedämmung, wurde die komplette Kirche mit dem gleichen Sandstein ummauert, so dass die Ansicht unverändert blieb.

2004 wurde die Kirche innen saniert. Die Wände wurden gereinigt und die Heizung ersetzt. Der Altar und die Kirchenbänke im Seitenschiff duch einen mobilen Altar und Stühle ersetzt. Der Taufstein wurde zwischen Haupt und Seitenschiff versetzt.

2016 wurde eine Sanierungsmaßnahme am Dach der Hl. Kreuz Kirche in Knielingen durchgeführt. Das verbogene Dachgestänge musste statisch überarbeitet werden. Ein neues Blechdach mit einer Wärmeisolierung wurde aufgebracht. Zusätzlich wurden die Dachträger mit Spannseilen unterhalb der Decke verstrebt. Im Innenraum wurde anstelle der dunklen Holzdecke eine hellere Decke in einem Weißton aus Nut- und Federbrettern eingebracht. Die Beleuchtung wurde durch LED-Strahler ersetzt.

Beschreibung des Kircheninnern

Das Kircheninnere

Die Heilig-Kreuz-Kirche ist ein rechteckiger, gestreckter Bau nach dem Vorbild der frühchristlichen Basilika, ausgeführt in Kalksandstein. An der Nordseite schließt sich ein Seitenschiff an, ein mäßig hoher Raum, der zum Hauptschiff hin geöffnet ist.

Seitenschiff

In Höhe des Taufbeckens sind die Taufgeräte in einer Wandvertiefung untergebracht. Der rotbraune Stein darunter stammt aus dem ehemaligen Kloster Lorsch. Er erinnert daran, dass in einer Lorscher Urkunde aus dem Jahre 786 Knielingen zum erstenmal erwähnt wird.

Fensterfries im Seitenschiff

Besonders eindrucksvoll ist der Fensterfries im Seitenschiff des Künstlers Emil Wachter. Die 16 einzelnen Felder des Frieses zeigen alttestamentliche Szenen. Sie haben, in der Reihenfolge von hinten nach vorn, folgende biblische Themen zum Inhalt:

 1. Der Baum des Lebens 	(Gen 2,9)
 2. Der Baum der Erkenntnis von Gut und Böse 	(Gen 2,9)
 3. Adam und Eva und die Schlange     	(Gen 3)
 4. Die Vertreibung aus dem Paradies 	(Gen 3,23f.)
 5. Abel	(Gen 4)
 6.  Der Brudermörder Kam	(Gen 4)
 7. Der tote Abel und Adam und Eva	(Gen 4)
 8. Noach in der Arche	(Gen 8,lof.)
 9. Das Dankopfer Noachs	(Gen 8,2o-22)
1o. Abrahams Opfer	(Gen 22,1-19)
11. Abraham und das Opfer des Melchisedek	(Gen 14,18-20)
12. Das Paschalamm	(Ex 12)
13. Durchzug Israels durch das Schilfmeer	(Ex 14)
14. Mose schlägt Wasser aus dem Felsen	(Ex 17,1-7;  Num 2o,1-13)
15. Die eherne Schlange in der Wüste	(Num 21,4-9)
16. Der betende Mose	(Ex 17,8-13)

Die Apsis

Gottesdienst an Weihnachten

In der Apsis liegt der erhöhte Altarbezirk mit dem schlichten Sandsteinaltar und dem Ambo für die Wortverkündigung (auf der dem Volk zugewandten Seite die Darstellung des Gleichnisses vom Sämann und der vierfachen Saat: vgl. Mk 4, 1-20). Der Altarbezirk ist allseitig von einer Schranke, welche als Kommunionbank dient, umgeben und umschreitbar. In dieser für die neuere Liturgie bedeutsamen Choranlage erkennt man bereits ein Jahr vor Beginn des 2. Vatikanischen Konzils (1962–1965) den mutigen Vorstoß zur folgerichtigen Neuordnung der Orte für den Wort- und Mahlgottesdienst. Das Hängekreuz über dem Altar wurde nach einem Entwurf von Prof. Paul König (Hildesheim) gefertigt.

Der Stolz der Pfarrgemeinde ist das Vortragskreuz neben dem Tabernakel im Seitenschiff, beides Arbeit von Herbert Kämper, besteht aus einem Kupferkern und getriebenem Silber. In das Kreuz sind 3 Rauchtopase eingelassen, und das Wertvollste daran ist am unteren Teil des Längsbalkens eine Kreuzreliquie. In der Sakristei hängt eine wertvolle Urkunde (eine Kopie davon ist in der Kirche neben der Sakristeitür zu sehen), wonach „diese Partikel vom Holz des Kreuzes unseres Herrn Jesus Christus, eingeschlossen in einer versilberten Kapsel, aus dem Kronschatz Seiner Kaiserlichen und Königlichen Majestät, des Kaisers Joseph II., stammt.“ Der Kaiserliche Hofpfarrer Mathias Kronberger hat mit Siegel und Unterschrift dies am 18.11.1785 bestätigt. Diese Reliquie und die Urkunde kamen durch einen Gönner aus dem einst vorderösterreichischen Gebiet, der sie der Pfarrei zum Geschenkt machte, nach Knielingen.

Chorwand von Emil Wachter

An der hohen Wand des Chorraumes sind in kunstvoller Mauerung die zwölf Tore des himmlischen Jerusalem nach der Vision des Johannes (vgl. Offb 21.10.12) gestaltet, darüber im Glasfries das apokalyptische Lamm.

Das Hauptfenster rechts vorne zeigt das Lob der Schöpfung. Auf bläulich-grauem Grund zwei in Gold, Blau und Rosa stehende prachtvolle Bäume, deren Kronen ineinandergreifen. Blüten und Früchte und viele Vögel, zum Teil mit ihren Nestern, beleben die Bäume, die aus dem gleichen Grund herauswachsen. Man kann darin das Paradies erkennen, wo der Baum des Lebens neben dem Baum der Erkenntnis von Gut und Böse steht, aber im Urzustand des Glücks, wo die Trennung noch nicht da ist.

Der obere umlaufende Fries aus bläulichen, weißlichen und grünlichen opalisierenden Gläsern mildert das Licht ab. Die Aufteilung ist so, dass man sich geschichtete, verschieden große Steine aus Kristall denken kann. Damit werden die Steine der Kirchenwände nach oben fortgeführt und in Licht verwandelt.

Bei dem Fenster über dem Eingang links vom Hauptportal (von innen gesehen) hat sich Emil Wachter von den ersten Versen der Bibel leiten lassen: „Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde"(Gen 1,1) bzw. „Und Gott sprach: Es werde Licht“ (Gen 1,3). Den Grund bilden die ineinander spielenden kosmischen Kräfte in der Abwechslung von Hell und Dunkel, Blau, Rot und Gelb (=die 3 Urfarben). Das erste Grün taucht auf: Es beginnt zu wachsen. Die beherrschende Farbe im Grund ist ein Blau, durchschossen mit Rosa und Gold und Grün, eine Art Weltendunkel, und darin die Schöpfung. „Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde.“ Himmel kann gesehen werden in dem großen Lichtkreis, in dem die Erde als kleiner grüner Kreis drin ist. „Es werde Licht, und es ward Licht.“ Diese Doppelbedeutung kann in dieser Form gesehen werden. Die Strahlen steigern sich vom Grün nach links bis ins Gold. Die Erde selber ist grün, und überall verstreut sowohl im Grund wie in diesem Schöpfungsmedaillon finden wir das auftauchende Wachstum, das Grün. Auch im Hintergrund geht es um Licht und Dunkel, das sich abwechselt oder hintereinanderschiebt: Tag und Nacht. Der hellste Bereich ist aber doch das beherrschende Medaillon mit Weiß und Grün mit der Erschaffung des Lichts.

Bei dem Fenster rechts vom Hauptportal (wiederum von innen gesehen) ist die vorherrschende Farbe Grün. Das Leben ist da. Auf weißlichem und grün-silbrigem Grund stehen kristalline oder pflanzenartige blaue, dunkelgrüne und rosa Formen wie in einem Flechtwerk: Alles Geschaffene hängt zusammen. In der Mitte begegnet uns in einem blassgoldenen Medaillon auf dunklem Grund wieder der Widder, das Opfertier Abrahams anstelle von Isaak (vergleiche das Fensterfries im Seitenschiff, Feld 10) und erstes der Tierkreiszeichen. In ihm beginnt die Sonne (Symbol für Christus) ihren Jahreslauf. Schließlich ist der Widder als Lamm Gottes, das über dem Altar vorne als apokalyptische Erscheinung steht, Bild für Christus selbst.

Der Kreuzweg an der Wand zwischen Seiten- und Hauptschiff stammt von Wilhelm Müller aus München, der Tabernakel von Herbert Kämper. Der Taufsteindeckel wurde 1967 von einem damaligem Gemeindemitglied, Herrn Diedrich, geschaffen.

Muttergottesstatue

Die Muttergottesstatue wurde laut einer Inschrift am Sockel 1925 gestiftet von Familie K. Zippelt und Anna geb. Helfrich. Sie war ein Ostergeschenk für die damalige Notkirche und wurde angefertigt in der Werkstätte für christliche Kunst Joseph Dettlinger in Freiburg.

Holzkreuz

Links hinten im Seitenschiff hängt ein schönes geschnitztes Oberammergauer Holzkreuz, das sich früher über dem Hauptaltar der Notkirche befand.

Die Kirchentüren

Türe links neben dem Hauptportal Hier ist - wie in Feld 10 des Fensterfrieses im Seitenschiff - das Motiv von Abrahams Opfer zu sehen. Isaak, Abrahams Sohn, liegt auf dem Opferholz. Doch das Opfermesser fällt Abraham aus der Hand. Er blickt nach oben, von wo der Engel herabstürzt. Über dem Engel ist das Auge Gottes zu sehen.

Das Hauptportal Die Mittelachse bildet einen Baum, aus dem Zweige nach rechts und links hervorgehen, die jeweils auch wieder die kleinen Achsen der Zusammensetzung in Platten bilden. Rechts oben wird an den Kreuzeshymnus ,,Spes unica" (=die einzige Hoffnung) erinnert. Wir haben hier wieder das Kreuz als Lebensbaum mit Hinweisen, als Kraft der Erlosung. Links unten die Schlange, die Gegenkraft. Ihr Programm ist nicht das Programm Jesu. In den Medalion links unten sind Tränen, alle Tränen der Welt, die entstehen durch das, was nach oben gehen möchte,und das, was nach unten geht: Wieder die gegensätzlichen Kräfte oder Möglichkeiten. Zugleich kann man da ein Profil sehen, Zähne und eine Nase: der zermarterte und enttäuschte Mensch, der dem Gesetz der Schlange folgt. Die anderen Medaillons oder Baumkronen sind Sinnbilder, die aus dem Programm des Erlösers resultieren: links oben die Nägel der Kreuzigung, rechts oben die Dornenkrone und rechts unten die Eucharistie (Kelch und Brot).

Türe rechts neben dem Hauptportal So wie links der Engel bei Abraham eingreift, um Isaak zu retten, so erfolgt auch hier ein Eingriff durch einen Engel. Es ist der Engel Gabriel, der der Jungfrau Maria verkündet: “Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden. Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären; dem sollst du den Namen Jesus geben" (Lk 1, 30f.). In der Bewegung Mariens ist ein Erschrecken sichtbar, aber doch auch das Ja ablesbar. Die Form weiter unten mit Blumen und Pflanzen zeigt, dass aus diesem Ja das neue Leben kommt. Der Engel Gabriel hat verblüffenderweise drei Hände. Die Geste der auseidergehaltenen Hände kann besagen: ,,Für Gott ist nichts unmöglich"(Lk 1,37). Die Hand, die auch wie die andere zu Maria weist, verdeutlicht das Stürmische dieser Begegnung. Die Rose, die unter Gabriel steht, hat auch Maria auf ihrem Kleid, wohl ein Hinweis auf die Empfängnis. Die Rose ist eines der beliebtesten Mariensymbole in der Kunst. Die zwei Sternchen auf dem linken Arm der Jungfrau Maria weisen darauf hin, dass sie zur Königin des Himmels wird.

Die Seitentüre an der Reinmuthstraße Oben sehen wir Sonne und Mond. Der Mond hat eine Rose im Mund. Die Pflanzen, die da stehen, und die Vögel sind ein Hinweis auf das Wort Jesu: ”Seht euch die Vögel des Himmels an. Sie säen nicht, sie ernten nicht und sammeln keine Vorräte in Scheunen; euer himmlischer Vater ernährt sie".

Sonne und Mond und das Kreuz über dem Hauptportal In Sonne und Mond hat man das Bild des ganzen Kosmos, von Himmel und Erde. Die Sonnenkraft ist die Kraft, über die wir viel weniger verfügen als über die Mondkraft. Mondkraft kann identisch gesehen werden mit Feuchtigkeit oder Nacht oder Wasser oder Zeit. Das Gesetz des Mondes ist das Gesetz der Zeit. Darin ist der Siebener-Rhythmus begründet, der Mondwechsel, auch die Periode der Frau. Das ist dann, was im Urbild von Adam und Eva wiedergegeben ist: Adam als der ursprünglich erschaffene oder als das Ebenbild Gottes, und aus ihm wird Eva erschaffen. Der ursprünglich himmlische Mensch wird irdisch durch Eva. In Adam und Eva, in Mann und Frau, ist die irdische Existenz so ausgedrückt, wie sie sich ausdrückt in Tag und Nacht oder in Hell und Dunkel oder Naß und Trocken oder Außen und Innen. Alles Irdische ist in Gegensatzpaaren faßbar. Sonne und Mond - das heißt Tag und Nacht oder Feuer und Wasser oder Licht und Zeit. Eine Entsprechung findet sich auch bei Abraham und Isaak. Abraham wird gesehen als der Sonnenmensch, der mit Feuer zu tun hat. In den Abrahamgeschichten der Bibel spielt das Feuer eine große Rolle. Bei Isaak dagegen steht das Wasser im Vordergrund. Zwei Prinzipien, wovon das eine mit dem Ewigen (Sonne) zu tun hat und das andere mit dem Zeitlichen, dem Wasser (Mond). Darüber steht das Kreuz als der Weltschlüssel, als das Zeichen, in dem sich Vertikale und Horizontale überkreuzen oder durchschneiden. Weltschlüssel deshalb, weil in der Vertikalen wieder das Ewige zum Ausdruck kommt und in der Horizontalen das Irdisch - Zeitliche. Horizontal ist das Wasser. Wenn man vor einem See steht, ist das Wasser der Horizont. Die Vertikale ist das von oben kommende Licht. In den Faltungen dahinter könnte man wieder etwas sehen, was sich hintereinander schiebt, also Zeitabläufe, die sich so hintereinanderschieben, dass einer aus dem anderen hervorkommt, auch Jahrhunderte, wobei ein Jahrhundert aus dem anderen hervorkommt.

Titel und Nebenpatrone der Heilig-Kreuz-Kirche Knielingen

Zur Ausstellung der Konsekration-Urkunden mussten Hauptpatron und zwei Nebenpatrone einige Wochen vor der Konsekration bei der Hohen Kirchenbehörde schriftlich gemeldet werden. Schon vorhandene Titel mussten beibehalten und geschichtliche Gegebenheiten berücksichtigt werden. Der Titel der Kirche in Karlsruhe Knielingen ist der bisherige Titel der Notkirche "Erhöhung des heiligen Kreuzes". Das Fest des Kirchenpatroziniums ist die Kreuzerhöhung am14. September. Als Nebenpatrone wurden der Heilige Sebastian und der Heilige Märtyrer Nazarius gewählt. In dem Buch ”Knielingen, ein Beitrag zur Heimatgeschichte" von Willibald Reichwein wird berichtet, dass Knielingen um das Jahr 1488 neben seiner Kirche noch zwei weitere heute verschwundene Kapellen besaß, eine Kapelle des Heiligen Sebastian und eine Kapelle zum Heiligen Kreuz. Bereits 1464 meldet eine Urkunde: ”Wyprecht Rudde, Probst zu St. German in Speyer bestätigt die von der Gemeinde Knielingen gestiftete St. Sebastianskaplanei in der dortigen Kirche und weist den Dekan in Graben an, den von Markgraf Karl 1. auf diese Pfründe präsentierten Priester Bernhard Junghans in sein Amt einzuführen." Durch die Benennung des Heiligen Sebastian als Nebenpatron konnte die geschichtliche Tatsache, dass einmal eine Kapelle zu Ehren dieses Heiligen bestanden hat, in Erinnerung gebracht werden und erhalten bleiben. Der Heilige Sebastian war nach einer Legende Offizier der kaiserlichen Leibgarde Diokletians. Weil er sich als Christ bekannte, wurde er auf Befehl des Kaisers mit Pfeilen tot geschossen. Durch sorgfältige Pflege kam er wieder zu sich. Da trat der längst Totgeglaubte eines Tages vor Diokletian hin und hielt ihm vor: ”Laß ab von der ungerechten Verfolgung der Christen, sonst wird Gottes Strafe dich treffen!". Der Kaiser erschrak zunächst, geriet dann in Wut und ließ den Heiligen töten. Sein Fest ist am 20. Januar.

Im gleichen Büchlein über Knielingen steht, dass das dem Heiligen Nazarius geweihte Kloster Lorsch an der Bergstraße schon sehr frühe durch Schenkungen in den Besitz ausgedehnter Güter und Ländereien in unserer Gegend gekommen ist. Die Urkunden zu diesen Schenkungen sind meist in den Schenkungsbüchern der Abtei erhalten. Ein Schenkungsbrief vom 27. August des Jahres 786 besagt, dass ein fränkischer Gaugraf, Hildefried mit Namen, ”im Namen Gottes an den hl. Nazarius im Dorfe Knielingen zwei Juchart Ackerland einem Gelübde gemäß" schenkte. Die Schenkungsbücher des Klosters Lorsch weisen in den Jahren 793, 809 und 817 noch weitere Stiftungen auf in denen die Gemeinde Knielingen eine Rolle spielt. (Reichwein S. 22) Knielingen gehörte also zum großen Teil zu den Besitztümern des Klosters Lorsch. Die Vorteile und Segnungen, die Knielingen aus dieser Verbindung mit Lorsch zukamen, wirkte sich ganz besonders auf die geistige, gewerbliche und landwirtschaftliche Kultur aus. Die einstige Verbindung von Knielingen mit dem bedeutenden Kloster hat die Stadt Karlsruhe dadurch wieder in Erinnerung gebracht, dass sie schon vor Jahren eine Straße im hiesigen Stadtgebiet "Lorscher Straße" benannte.

Die Beziehung zu Lorsch wurde durch die Benennung des Heiligen Nazarius als Nebenpatron der neuen Kirche in Erinnerung gebracht. Der Heilige Nazarius flüchtete unter Nero seines Glaubens wegen nach Gallien. Dort verkündete er das Evangelium und bekehrte viele Heiden zum wahren Glauben. Er wurde um 68 mit dem von ihm für Christus gewonnenen jugendlichen Gallier Celsus in Mailand enthauptet. Bei seinem Verhör soll Nero das Augenlicht verloren haben, weshalb der Heilige gegen Augenkrankheiten angerufen wird. Im Jahre 765 wurde das Kloster Lorsch nach der Weihe der Klosterkirche mit Reliquien des Heiligen Nazarius ausgezeichnet, weshalb es Kloster des Heiligen Nazarius genannt wurde. Es ist anzunehmen, dass das Fest des Heiligen Märtyrers Nazarius aus der christlichen Frühzeit am 28. Juli auch einmal in Knielingen festlich begangen wurde. (Quelle: Festschrift zum 75-jährigen Jubiläum der Kirchengemeinde im Jahre 1998)

Adresse

Pfarrei Heilig Kreuz, Knielingen
Reinmuthstraße 42
76187 Karlsruhe
E-Mail: heiligkreuz(at)allerheiligen-ka.de

Dieser Ort im Stadtplan:

(H)  nächste Haltestelle: Herweghstraße   

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