Rheinbegradigung

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Die Rheinbegradigung wurde zwischen 1817 und 1879 von Johann Gottfried Tulla (1770–1828) und seinen Nachfolgern zur Begradigung und Schiffbarmachung des Oberrheins durchgeführt.

Ziele

Tulla ging es bei der Rheinbegradigung in erster Linie um den Hochwasserschutz, da der Rhein häufig seinen Verlauf änderte und auch immer wieder Siedlungen bedrohte und mit sich riss. Da der Rhein auch immer ein Grenzfluß war, nicht nur zwischen Staaten, sondern auch zwischen Gemeinden, bestand großes Interesse daran, den Fluß zu bändigen, um Grenzstreitigkeiten, die nach Verlaufsänderungen immer wieder aufkamen, zu beenden. Siehe beispielsweise die Lage der Gebiete "Daxlander Au" und "Daxlander Wiesen", die heute auf linksrheinischer, d.h. rheinland-pfälzischer Seite liegen und ursprünglich rechtsrheinisch waren. Ein weiteres Ziel war die Gewinnung von fruchtbarem Ackerland, da der begradigte Rhein weniger Platzbedarf hatte.

Die Verbesserungen für den Schiffsverkehr waren ein nachrangiges Ziel, obwohl die Begradigung auch für diesen Aspekt eine wichtige Voraussetzung war. [1] Zum einen, weil sich dadurch die Länge des Rheins verkürzte und zum anderen, weil in der Vordampfschifffahrtszeit die Schiffe stromaufwärts getreidelt (d.h. von Tieren bzw. Menschen vom Ufer aus gezogen) wurden und somit entsprechend zugängliche oder günstigstenfalls befestigte Uferzonen nötig waren [2].

Chronik

Denkmal ›Die Wege des Rhein’s‹ von Benno Treiber in Leopoldshafen
  • 1804: Markgraf Karl Friedrich von Baden erteilt den Auftrag zur "Rheinkorrektion"
  • 1809: Tulla legt erste Pläne vor
  • 1817: Erster Durchstich bei Knielingen; Übereinkommen mit Bayern über die Begradigung zwischen Neuburg und Dettenheim (die Pfalz war seit dem Wiener Kongress 1815 wieder bayerisch)
  • 1818: Zustimmung der Franzosen
  • 1824: Große Rheinflut mit positiven Ergebnissen im südlichen Teil und größeren Überschwemmungen weiter flussabwärts
  • 1826: Preußen und die Niederlande fordern ein Ende der Korrektion wegen befürchteter weiterer Hochwasserschäden im Norden
  • 1827: Vorläufiger Baustopp
  • 1828: Tod Tullas, Fortführung der Arbeiten unter anderem durch Max Honsell
  • 1832: Einigung mit den anderen Uferstaaten
  • 1835: Erlass eines badischen Enteignungsgesetzes
  • 1840: Vertrag zwischen Baden und Frankreich, Festlegung der neuen Grenzen
  • 1876: Letzter Durchstich beim Isteiner Klotz (bei Basel); schweres Hochwasser
  • 1879: Die Begradigung des Oberrheins ist abgeschlossen
  • 1882/83: Verheerendes Jahrhunderthochwasser
  • 1892: Vertrag zwischen Schweiz und Österreich zur Begradigung des Alpenrheins

Das Durchstechen der Flussschlingen verkürzte die Strecke zwischen Basel und Bingen um 81 km. Bereits 1885 wurde diese Veränderung der Flusslandschaft in einem Kartenvergleich (vorher/nachher) dokumentiert [3].

Folgen

Die Auswirkungen der Rheinbegradigung reichen bis heute. Je nach ökologischem oder ökonomischem Blickwinkel fällt die Bewertung der einzelnen Folgen unterschiedlich aus. Daher lassen sie sich nur zum Teil eindeutig in positive und negative einteilen.

  • Steigerung des Flussgefälles, dadurch größere Hochwassergefahr flussabwärts
  • Absenkung des Grundwasserspiegels, Verlandung und Trockenfallen der Auwälder
  • Je nach Gemeinde Landgewinnung oder Landverlust
  • Auswirkungen für die Artenvielfalt, siehe auch Rheinauen
  • durch Stechmücken übertragbare Krankheiten wie Malaria und Fieberepidemien wurden deutlich reduziert
  • Gewinnung neuer Flächen für Landwirtschaft und Industrie

Siehe auch

Naturschutz, Naturschutzgebiet

Geografie

Daxlander Au und Daxlander Wiesen

Dieser Ort im Stadtplan:

Literatur

Weblinks

Fußnoten

  1. Siehe Buch von Ernst Otto Bräunche: Rheinhafen Karlsruhe, 1901-2001, Stadtarchiv Karlsruhe, ISBN 3-88190-270-8, Seite 34
  2. Siehe Buch von Ernst Otto Bräunche: Rheinhafen Karlsruhe, 1901-2001, Stadtarchiv Karlsruhe, ISBN 3-88190-270-8, Seite 28 und 32
  3. Siehe hierzu: Historische Kartenbestände zur Rheinkorrektion der UB Freiburg