Rathaus Neureut

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Im ehemals selbständigen Dorf Teutschneureut befand sich seit spätestens 1731 das Rathaus Teuschtneureut. Nach dem Zusammenschluss von Welschneureut und Teutschneureut diente es der neuen Gemeinde Neureut als gemeinsames Rathaus bis zur Eingemeindung als Stadtteil nach Karlsruhe im Jahr 1975. Seit der Eingemeindung befindet sich im Rathaus die Ortsverwaltung Neureut.

Geschichte

Geschichte Neureuts auf einer Infotafel im Rathaus
Die ehemaligen Gemeindesiegel von Teutschneureut, Welschneureut und Neureut
Das ehemalige Welschneureuter Rathaus
Gedenkstein der Bürgerinitiative

Im Jahr 1731 wird das Teutschneureuter Rathaus in den vorhandenen Gemeindeunterlagen erstmalig erwähnt, als die Gemeinde wieder einen Pfarrer erhielt. Da es für ihn noch kein Pfarrhaus gab, wohnte er 25 Jahre lang im Rathaus. Die markgräfliche Verwaltung ordnete die Errichtung eines Pfarrhauses an, welches 1756 fertig gestellt wurde. Zuvor war das Rathaus bereits baufällig. So brach 1744 der hölzerne Küchenboden durch, wodurch sich die Pfarrmagd schwer verletzte. Im Jahr 1760 wurde es endgültig für „ruinös“ befunden und 1761 abgerissen. Dabei stellte man fest, dass es überall „von den Würmern durchfressen war“.

Da kein Geld in der kleinen Gemeindekasse vorhanden war, wurde beschlossen, den Neubau durch einen außerordentlichen Holzeinschlag im Gemeindewald zu finanzieren. 1774 wurde auf dem Rathausgrundstück ein zunächst einstöckiges Schulgebäude errichtet. Nach kurzer Zeit stellte man fest, dass der Platz für die Unterbringung aller Schüler nicht ausreichte, weshalb es um ein erstes Obergeschoss aufgestockt wurde.

1816 errichtete man eine Gemeindescheune, in welcher die Farrenhaltung unter kam, zu welcher die Gemeinde verpflichtet war. Unter Farrenhaltung versteht man die Haltung von Ochsen zur Rinderzucht. Ebenso wurden Ziegenböcke und Eber gehalten.

In der Scheune befanden sich auch die Feuerwehrgeräte. Von dort rückte auch die Teutschneureuter Pflichtfeuerwehr am Sonntag, den 28. Februar 1847 mit ihrer „Fahrspritze“ zum Brand des Großherzoglichen Hoftheaters aus.

Im Jahr 1855 wurde das Rathaus erneut für baufällig befunden. Der Gemeinderat beschloss, an Stelle des bisherigen Gebäudes ein neues zu errichten. Dieses sollte durch den Stadtbaumeister Müller erfolgen. Er legte zwei Planungsentwürfe vor. Ein Entwurf enthielt einen Balkon, was vom Gemeinderat jedoch als zu pompös empfunden und abgelehnt wurde. Der andere, angenommene Entwurf sah eine Außentreppe vor. Im Erdgeschoss wurde eine Unterlehrerwohnung eingerichtet und im ersten Obergeschoss befanden sich drei Räume für das Bürgermeisteramt und den Bürgersaal. Der Kostenvoranschlag belief sich auf 8.000 Gulden, was am 28. Januar 1856 13.680 Reichsgoldmark entsprach.

Die Abrissarbeiten des alten Rathausgebäudes wurden versteigert und auch in den Nachbargemeinden Welschneureut, Knielingen und Eggenstein ausgeschellt, also durch öffentliche Mitteilung durch den Ausscheller in den jeweiligen Orten bekannt gemacht. Die Kosten für das Ausschellen beliefen sich auf 40 Kreuzer. Die Bauarbeiten dauerten von August 1856 bis März 1857 und kosteten 8.127,50 Gulden, was im Jahr 2006 rund 222.000 Euro entsprach. Im Jahr 1909 wurden zwei seperate Lehrerwohnungen fertig gestellt, weshalb die Lehrerwohnung im Rathaus aufgegeben und für die Gemeindeverwaltung verwendet wurde. Ab 1919 wurde die Gemeindekasse in das Rathaus verlegt. Zuvor befand sie sich im Wohnhaus des „Gemeinderechners“. Seit 1914 wurde die Stromversorgung als Gemeindeeinrichtung eingeführt, wodurch der „Lichtmeister“ einen Raum für die Erstellung der Verbrauchsrechnungen benötigte. Das zu jener Zeit neu geschaffene Einwohnermeldeamt benötigte ebenfalls einen Raum.

Im Jahr 1920 war das Rathausgebäude wie folgt aufgeteilt:

  • im Erdgeschoss:
    • 1. Zimmer rechts: Bürgermeister
    • 2. Zimmer rechts: Schreibkraft
    • 3. Zimmer rechts: Grundbuchamt
    • 4. Zimmer rechts: Einwohnermeldeamt, Aufrechnung der Invalidenversicherung
    • 1. Zimmer links: Ratschreiber, Standesamt
  • im 1. Obergeschoss:
    • Gemeindekasse
    • Gemeindewerke
    • Bürgersaal

Im Jahr 1933 erhielt das Rathaus eine Telefonanlage. Zum 1. November 1935 erfolgte der Zusammenschluss der bis dahin getrennten Gemeinden Teutschneureut und Welschneureut. Das Rathaus behielt dabei seine Funktion in der neuen Gemeinde Neureut bei, während das Welschneureuter Rathaus seine Funktion verlor. Der Teutschneureuter Bürgermeister verlor sein Amt und der Welschneureuter Bürgermeister Buchleither übernahm es für die neue Gemeinde.

Die Raumbelegung blieb bis 1938 erhalten und im gleichen Jahr erfolgte der Ausbau des Dachgeschosses für die Verwaltung. Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde im Dachgeschoss die Kartenstelle und das Bezugsscheinwesen untergebracht.

Auf dem Dach wurde eine Sirenenanlage installiert, die zunächst zur Alarmierung der Feuerwehr vorgesehen war. Mit Kriegsbeginn bis zu dessen Ende diente die Sirene allerdings ausschließlich der Warnung der Bevölkerung vor Luftangriffen. Nach Kriegsende diente sie wieder ihrer ursprünglichen Funktion zur Alarmierung der Feuerwehr. Um die Feuerwehr durch Jedermann anfordern zu können, wurde 1953 an der Außenwand ein Alarmierungsknopf angebracht. Dies war notwendig, da das Telefon in jener Zeit noch sehr teuer und daher kaum verbreitet war.

Im Jahr 1939 wurde eine Dampfheizung eingebaut. Zur Befüllung der Heizungsleitungen musste die Handdruckspritze der Feuerwehr verwendet werden. Dies änderte sich erst 1951, als die Wasserversorgung eingerichtet wurde.

1940 wurde im Rathauskeller ein Luftschutzraum eingerichtet. Ab dem Jahr 1942 musste bei jedem nächtlichen Fliegeralarm eine Feuerwache, bestehend aus vier Männern, abgestellt werden, um im Falle eines Brandes schnell die gesamte Feuerwehr alarmieren zu können.

Den Krieg überstand das Rathausgebäude leicht beschädigt. Der Farrenstall wurde hingegen am 3. Februar 1945 durch zwei Bomben zerstört und wurde 1949 als erstes Gebäude der Gemeinde wieder aufgebaut. Das Schulgebäude neben dem Rathaus wurde von einer Granate getroffen.

Französische Truppen besetzten Neureut am Dienstag, den 3. April 1945. Zwei Tage später war das Rathaus wieder geöffnet. Es begann nun die Entnazifizierung. Als neuer Bürgermeister wurde von der französischen Militärregierung Heinrich Klotz eingesetzt. Von den Gemeindebediensteten behielten nur der Ratschreiber Clour und der Büttel Emil Linder ihre Ämter.

In der Kommunalwahl am 10. Januar 1946 wurde der neue, achtköpfige Gemeinderat gewählt. Dieser wählte nach der alten Badischen Gemeindeordnung Hermann Gier zum neuen Bürgermeister. Im neu gegründeten Land Baden-Württemberg fanden 1948 die ersten Bürgermeisterwahlen durch die wahlberechtigte Bevölkerung statt. In Neureut wurde Adolf Ehrmann gewählt, der bis zum 31.12.1964 im Amt blieb.

Durch die Zuweisung von Heimatvertriebenen und den Bau der Kirchfeldsiedlung wuchs die Bevölkerung Neureuts von rund 5.000 Einwohnern 1945 auf rund 10.000 Einwohner im Jahr 1956. Damit stiegen auch die Aufgaben der Gemeindeverwaltung. Deshalb wurde 1951 ein eigenes Rechnungs- und 1953 ein Ortsbauamt eingerichtet.

Das Schulhaus neben dem Rathaus war 1934 frei geworden. Während des Dritten Reichs hatte die NSDAP das Gebäude bezogen. Nach Kriegsende wurde es von der Landespolizei verwendet. Um die Raumnot im Rathaus lösen zu können, wurde 1954 der Landespolizei gekündigt und das Gebäude umgebaut, um weitere Verwaltungsräume aufnehmen zu können. Im Erdgeschoss konnten anschließend das Grundbuchamt und das Einwohnermeldeamt einziehen. Im ersten Obergeschoss kamen die Gemeindewerke sowie das Ortsbauamt unter.

1956 fasste der Gemeinderat den Beschluss, das Rathaus von Grund auf zu sanieren. Die große Außentreppe wurde nach innen verlegt. Ein Balkon, wie er bereits 1856 im damals verworfenen Planungsentwurf vorgesehen war, wurde nun eingebaut. Die Holztreppen wurden durch Steintreppen ersetzt und alle Fenster mit Rollläden versehen. Der Umbau dauerte von August 1956 bis 3. März 1957.

Im Erdgeschoss befanden sich nun die Ratschreiberei, das Rechnungsamt und die Gemeindekasse. Der Bürgermeister, sein Sekretariat und das Standesamt bezogen das erste Obergeschoss. Im Dachgeschoss befanden sich das Archiv und eine Aktenablage. Die Umbaukosten betrugen rund 150.000 DM. Im Jahr 1963 wurden die Räumlichkeiten erneut zu klein. Deshalb wurde das Grundbuchamt in ein Büro in der Alte Friedrichstraße ausgelagert und das Rechnungsamt bezog die dadurch frei gewordenen Räumlichkeiten.

Der 1964 neu gewählte Bürgermeister Hermann Meinzer wurde damit beauftragt, die ständige Raumnot im Rathaus zu beseitigen. Der Gemeinderat beschloss einen Erweiterungsbau. Nach dessen Errichtung sollte ein kompletter Neubau geplant werden. Die Feuerwehr musste nun an den Bärenweg 5 umziehen. Der Außendienst der Gemeindewerke zog in die Dreschhalle am Blankenlocher Weg, während der Außendienst des Bauamtes und der Gartenbauabteilung in angemieteten Scheunen untergebracht wurden. Die Farrenhaltung wurde aufgegeben und durch künstliche Besamung ersetzt. Der Farrenstall wurde abgerissen.

Die Arbeiten hierzu dauerten von Herbst 1966 bis Oktober 1967. Im Jahr 1971 wurde das Passwesen und die Untere Baurechtsbehörde vom Landratsamt auf die Gemeinden delegiert, was zu erneuten Umorganisationen im Rathausgebäude führte. Anfang 1971 begannen Diskussionen um die Gemeindereform und die Eingemeindungsforderung der Stadt Karlsruhe. Nach heftigem Schlagabtausch und nach knappem Mehrheitsbeschluss des Landtages sowie nach einem Urteil des von Neureut angerufenen Staatsgerichtshofs wurde von diesem am 14. Februar 1975 geurteilt, dass Neureut ein Stadtteil Karlsruhes wird.

Ein Rathausneubau wurde durch diese Eingemeindung entbehrlich, da bereits 1975 einige Abteilungen nach Karlsruhe verlegt wurden, wie z.B. die Gemeindekasse, das Steueramt und die Untere Baurechtsbehörde.

Adresse

Ortsverwaltung Neureut
Neureuter Hauptstraße 256-258
76149 Karlsruhe
Telefon: (07 21) 78 05 - 1 11
Telefax: (07 21) 78 05 - 1 50
E-Mail: neureut(at)karlsruhe.de
(H)  nächste Haltestelle: Bärenweg   
Bus-Signet.png  nächste Bushaltestelle: Mitteltorstraße  

Lage

Dieser Ort im Stadtplan:

Siehe auch

Quellen

  • Referat „150 Jahre Rathaus in Teutschneureut/Neureut“ von Horst Sattler im September 2006 auf Grundlage von Unterlagen des Gemeindearchivs im Rathaus Neureut.