Nikolaus Müller

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Nikolaus Müller

Nikolaus Müller (* 8. Februar 1857 in Großniedesheim bei Worms, † 3. September 1912 in Berlin), Dr. phil., Lic. theol. und Dr. theol. h.c., war Professor für Kirchengeschichte und Christliche Archäologie sowie Initiator und Gründer des Melanchthonhauses Bretten und Ehrenbürger von Bretten.

Leben und Wirken

Nach dem Abitur in Zweibrücken studierte Nikolaus Müller Klassische Philologie und Evangelische Theologie in Erlangen, Berlin und München. Seine schon früh ausgeprägte Sammelleidenschaft bestimmte sein Gelehrtenleben als Quellenstudium in Bibliotheken und Archiven. 1881 erwarb er in Erlangen den Dr. phil. mit einer Arbeit über das Latein der christlichen Inschriften Galliens und 1887 in Leipzig den Lizentiaten der Theologie. Mehr und mehr wurde die Reformationszeitforschung sein Schwerpunkt. Als Privatdozent in Kiel war er an der Bearbeitung der Weimarer Lutherausgabe beteiligt. 1890 wurde Müller Professor und Direktor des Christlichen Museums in Berlin, in beiden Ämtern wirkte er bis an sein frühes Lebensende.

Die für seine Zeit typische Reformationsbegeisterung brachte Müller anlässlich des 400. Geburtstags Philipp Melanchthons 1897 nicht nur zu Melanchthonforschungen, sondern 1895 zur Gründung eines „Vereins zur Errichtung eines Gedächtnishauses mit Gedächtnishalle und Museum“ in Melanchthons Geburtsstadt Bretten. Mit Unterstützung des badischen Großherzogs Friedrich I. wurde nach den Vorstellungen Müllers, der nicht nur das Programm der Stiftung, sondern auch die Raumaufteilung des Gebäudes und einen Entwurf der Hauptfassade lieferte, das Melanchthonhaus auf dem Grundstück des Geburtshauses Melanchthons unter Beteiligung verschiedener Architekten errichtet. Die Grundsteinlegung erfolgte am 16. Februar 1897, dem Jahrestag des Geburtstags Melanchthons, an dem Müller auch die Ehrendoktorwürde erhielt. Die Fertigstellung des Gebäudes konnte allerdings erst sechs Jahre später folgen. Aus deren Anlass wurde Müller Ehrenbürger der Melanchthonstadt Bretten.

Werke

Vollständiges chronologisches Werkeverzeichnis in: Andreas Tacke: Nikolaus Müller – der Gründer des Melanchthonhauses, in: Das Melanchthonhaus Bretten. Ein Beispiel des Reformationsgedenkens der Jahrhundertwende, herausgegeben von Stefan Rhein und Gerhard Schwinge im Verlag Regionalkultur, Ubstadt-Weiher 1997, S. 103–128 (S. 123–128 Anhang: Quellen- u. Schriftenverzeichnis)

Nachlass

Teilnachlässe Nikolaus Müllers, der unverheiratet blieb, befinden sich in Bretten und in Wittenberg. Als bester Melanchthonkenner seiner Zeit wollte Müller eine Reformationsgedächtnis- und Forschungsstätte schaffen, was ihm seit der Einweihung des Melanchthon-Gedächtnishauses am 9. November 1903 und besonders nun auch durch die Europäische Melanchthon-Akademie Bretten seit 2004 gelungen ist.

Ehrungen

Literatur

  • Andreas Tacke: Nikolaus Müller, christlicher Archäologe, Melanchthon- und Reformationszeitforscher, in: Jahrbuch für Berlin-Brandenburgische Kirchengeschichte, 61. (1997), Berlin 1997, Seiten 9 – 37

Weblinks