Liberale Synagoge

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Die so genannte Liberale Synagoge befand sich an der Ecke Kronenstraße/Kaiserstraße.

Geschichte

Der Privilegienbrief von 1715 begünstigte die Ansiedlung von Juden in Karlsruhe, deren Zahl zwischen 1720 und 1733 von 71 auf 282 stieg. In der Kronengasse entstand so ein kleines jüdisches Viertel, bei dem die Grundvoraussetzungen für das regelmäßige Abhalten von Gottesdiensten schnell gegeben waren. So wurde eine erste kleine voll ausgestattete Synagoge gebaut, die aber auf Dauer zu klein war. Die Gemeinde wandte sich an Friedrich Weinbrenner, der im Rahmen seiner bereits bestehenden Pläne für die langfristige Gestaltung Karlsruhes ein neues Gebäude entwarf, das gleichermaßen seiner Vision von Synagogenbau entsprach als auch die Bedürfnisse der Gemeinde erfüllte. So stand das eigentliche Synagogengebäude traditionsgemäß im Hinterhof und wurde 1806 eingeweiht. Der gesamte Komplex bestehend aus Mikwe, Rabbinerwohnung, Versammlungsplatz und Mietwohnungen, war aber erst 1810 und damit drei Jahre später als geplant vollendet.

Weinbrenners ägyptisierender Baustil, gemischt mit griechischen Säulen und römischen Kassetten, galt als wegweisend für den zeitgenössischen Synagogenbau, wurde allerdings von der Gemeinde nach einigen Jahrzehnten als unpassend empfunden.

So wurde Josef Durm beauftragt, eine neue Synagoge zu entwerfen. Sie erhielt – im Gegensatz zum Vorgängerbau – eine Schaufassade im Stil der italienischen Renaissance. Die Seiteneingänge wurden von den mosaischen Gesetzestafeln bekrönt, das Innere wurde unter anderem mit Marmor ausgestattet.

Die Pläne waren bereits fertiggestellt, als die Weinbrenner-Synagoge am 29. Mai 1871 bei einem Brand schwer beschädigt wurde. Die Arbeiten für den Neubau wurden von 1873 bis 1875 durchgeführt.

Im Zuge der Reichspogromnacht wurde sie im November 1938 in Brand gesteckt und musste im Jahr darauf durch die Gemeindeglieder zwangsweise abgerissen werden.

ehemalige Lage

Die Lage der Synagoge im Online-Stadtplan der Stadt Karlsruhe: mit der Kartenauswahl 1876.