Alt-Dettenheim

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Straße von Alt-Dettenheim Richtung Damm

Alt-Dettenheim bezeichnet den ursprünglichen Standort der Ortschaft Dettenheim. Es liegt nahe des heutigen Rheinverlaufs, kurz hinter dem Rheinhauptdamm. 1813 wurde der Ort nach Altenbürg verlegt und in Karlsdorf umbenannt.

Altes Gasthaus „Zum Löwen“

Von dem ursprünglichen Ort existieren nur noch wenige Häuser. Eines davon ist das Gasthaus „Zum Löwen'“, das andere sind die Überreste einer Ziegelei. Es gibt noch einige andere Häuser neueren Datums. Original Fachwerkhäuser aus dem alten Dettenheim kann man aber auch in den umliegenden Gemeinden finden. Wer damals seine Heimat verließ, nahm anscheinand immer „alles“ mit.

Die Straße von Alt-Dettenheim führt weiter zum Rheinufer.

Der Auenpfad beginnt schräg gegenüber vom Gasthaus.

Die Gemeinde Karlsdorf ist noch immer sehr mit dem Ort verbunden. Es finden dort Heimatfeste und historische Führungen statt. Im Heimatmuseum von Karlsdorf ist das Dachgeschoss der Geschichte Dettenheims gewidmet.

Geschichte

Das alte Dorf Dettenheim wurde 788 erstmals im Lorscher Codex erwähnt. Die Bevölkerung lebte hauptsächslich vom Ackerbau und der Viehzucht. Die Rheinfischerei stellte nur eine zusätzliche Nahrungsquelle dar. Der eigentliche Reichtum des Ortes war aber sein großer Waldbesitz. Dieser Hochwald sorgte für regelmäßige Einnahmen unabhängig von Überschwemmungen und Missernten.

Die Kriege des 16. und 17. Jahrhunderts setzten dem Wohlstand des Rheindorfes schwer zu. Die Seuchen nach dem Dreißigjährigen Krieg dezimierten die Einwohnerzahl zusätzlich. Das einst so wohlhabende Dorf kämpfte ums Überleben.

Historie des Umzuges

Nachdem Dettenheim zwischen 1734 und 1749 über fünf mal überflutet wurde, kamen erstmals konkrete Pläne auf den Ort umzusiedeln. Diese konnten jedoch aus Geldmangel nicht umgesetzt werden.

In der Mitte des 18. Jahrhunderts wurde zur Entlastung von Germersheim trotz heftiger Proteste der Dettenheimer und anderer Orte ein Rheindurchstich vorgenommen. Die Folge war, dass 4/5 der Ortsgemarkung, darunter fast der gesamte Waldbesitz, auf einmal linksrheinisch lag. 1780 wurde deshalb ernsthaft erwogen den Ort an eine Straße südlich von Germersheim zu verlegen (diese Straße ist heute die B 9) und nach dem Kurfürst Karl-Theodor in „Karlsdorf“ umzubenennen. Abermals wurden diese Pläne nicht weiterverfolgt, erst zehn Jahre später wurde das Thema Ortsversetzung wieder aufgegriffen. In einer Bürgerbefragung votierte die Mehrheit der Dettenheimer für eine Umsiedlung, die Regierung stimmte dem ebenfalls zu. Dann aber stellte die Gemeinde eine Reihe von Forderungen, von denen einige aus finanziellen Gründen nicht erfüllt werden konnten.

In Folge der französischen Revolutionskriege besetzten im März 1795 französische Truppen den Ort. Mit dem Frieden von Luneville wurde der Rhein 1801 zur Grenze und damit fielen die linksrheinischen Besitzungen an Frankreich. 1803 fielen aufgrund der Säkularisierung die rechtsrheinischen Gebiete an Baden. Die Dettenheimer erhielten als Entschädigung unter anderem von der kurfürstlichen Verwaltung das Nutzungsrecht einiger Wiesen bei Altenbürg, einem ehemaligen Hofgut und Gestüt westlich von Bruchsal. Die Summe der Entschädigungen stellte die Dettenheimer jedoch nicht zufrieden, schließlich hatten sie den größten Teil ihrer Gemarkung sowie ihre Haupteinnahmequelle den Hochwald endgültig verloren.

Ab 1805 stand Dettenheim nunmehr jährlich unter Wasser, die Forderungen nach einer Ortsverlegung wurden wieder lauter. Im April 1811 erstellte Johann Gottfried Tulla ein Gutachten, dass die Verlegung ausdrücklich empfahl. Großherzog Karl Friedrich ordnete daraufhin die Versetzung nach Mannheim an, die wegen der Nähe des Rheines zum ausgewählten Ort jedoch nicht durchgeführt wurde. In Dettenheim machte man sich für die Verlegung nach Altenbürg stark, obwohl die dortigen Böden nicht so ertragreich waren und abzusehen war, dass die Einwohner zusätzliche Erwerbsmöglichkeiten finden mussten. Großherzog Karl stimmte im Juli 1812 diesem Ansinnen zu.

Am 16. September 1812 begann der Umzug nach Altenbürg. Das Ackerland verkauften die Dettenheimer an die Bauern von Liedolsheim. Der Hauptteil des Umzugs fand im Jahr 1813 statt. Die Einwohner zerlegten ca. 70 Wohnhäuser und über 50 Scheunen und brachten das Material in 3400 Wagenladungen nach Altenbürg, wo sie die Häuser wieder neu aufbauten (Ende Oktober 1813). Zu Ehren des Großherzogs wurde die Ortschaft zunächst „Karlsthal“ und später endgültig Karlsdorf benannt.

Feierlichkeiten

Am 17. Juni 1988 feierte Alt-Dettenheim sein 1.200-jähriges Bestehen.

Bilder

Denkmäler

Gedenkstein von 1938

Gedenkstein Alt-Dettenheim

1938 wurde von der Gemeinde Karlsdorf etwa 100m östlich des Gasthauses „Löwen“ ein Gedenkstein errichtet. Er markiert die ehemalige Ortsmitte von Dettenheim. Die Stelle wurde später noch weiter ausgestaltet. Der Heimatverein Karlsdorf errichtete dort eine Schautafel und die Gemeinde Dettenheim eine Bank.

Lage

Dieser Ort im Stadtplan:

Anfahrt über die Dettenheimer Straße in Liedolsheim, oder südlich des Ortes am Kreisel der L 602. Wegweiser Richtung Alt-Dettenheim.

Dettenheimer Fachwerkhaus

Seit 1999 renoviert der Heimatverein Karlsdorf das ehemalige Fachwerkhaus aus Dettenheim. Das Haus stand ursprünglich in der Großgasse von Dettenheim. Der Sohn des Besitzers, Anton Kärcher, baute es 1813 im neugegründeten Karlsdorf in der Saalgasse wieder auf. Das Haus findet man in der heutigen Saalbachstraße.

Lage

Saalbachstraße 3
76686 Karlsdorf-Neuthard

Literatur

  • Alois Riffel und Kuno Riffel: „Ein Dorf vergeht – ein Dorf entsteht. Die Umsiedlung des Dorfes Dettenheim im Jahr 1813.“ / Hrsg. Heimatverein Karlsdorf e.V. 2. Auflage April 2010. GREISERDRUCK GmbH & Co. KG Rastatt.
  • Festschrift: „1225 Jahre Rußheim“, Hrsg. Gemeinde Dettenheim, erschienen 2009

Weblinks