Adolf Hoffmann

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Adolf Julius Friedrich Karl Hoffmann (*25. Dezember 1822 in Karlsruhe; † 27. Oktober 1899 ebenda) war ein badischer Arzt, promovierter Mediziner und Großherzoglich-Badischer Sanitätsoffizier, zuletzt im Rang eines Generalarztes.

Leben und Wirken

Adolf Julius Friedrich Karl Hoffmann wurde in Badens Haupt- und Residenzstadt an Weihnachten 1822 geboren als Sohn des damaligen Premierleutnants[1], späteren Generalleutnants Friedrich Hoffmann (1795–1879) und der Karoline Gmelin († 1823), der Tochter des als Botaniker bekannten Geheimen Rates Dr. Karl Christian Gmelin (1762–1837). Die Mutter verlor der Knabe ein halbes Jahr nach seiner Geburt, und so fiel der Großmutter Gmelin die Sorge für seine Pflege und Erziehung zu. Seine Schulbildung erhielt er aus dem Karlsruher Lyceum. Als es nach erhaltenem Absolutorium galt, einen Beruf zu wählen, führten den angehenden Studenten die von seinem Großvater Gmelin auf dem Gebiete der Naturwissenschaften empfangenen Anregungen dem Studium der Medizin zu, welchem er in den Jahren 1841 bis 1846 auf den Universitäten zu Heidelberg und Berlin oblag, im letzen Jahre als Assistent an der unter Professor Pfeuffers Leitung stehenden medizinischen Klinik in Heidelberg. Nachdem er die Staatsprüfung bestanden und die Doktorwürde erworben hatte, brachte Dr. Hoffmann den Winter 1848/47 in Paris zu und war eben im Begriff, seine Studien in Wien fortzusetzen, als er seine Anstellung als Oberarzt in dem damaligen 1. Infanterieregiment in Karlsruhe erhielt und hiermit die militärärztliche Laufbahn betrat. Im August 1848 marschierte Oberarzt Dr. Hoffmann mit einer badischen Brigade nach Schleswig-Holstein. Nach der Rückkehr von da zur Artillerie versetzt, verlebte er in Karlsruhe die stürmischen Maitage des Jahrs 1849, während welcher er neben seinem Dienst im Militärspital auch der Karlsruher Bürgerwehr eingereiht war. Bei der Neubildung des badischen Armeekorps wurde Dr. Hoffmann nach Konstanz versetzt, kehrte jedoch schon 1851 wieder in die Garnison Karlsruhe zurück. Im Jahre 1852 dem 1. Infanterie (Grenadier) Regiment zugeteilt, wurde er 1856 Regimentsarzt im 1. Füsilierbataillon und trat 1857 in das Jägerbataillon über, mit welchem er auf kurze Zeit nach Durlach in Garnison kam. 1865 kehrte er als Regimentsarzt des Feldartillerieregiments nach Karlsruhe zurück. Nachdem er zum Stabsarzt mit Majorsrang befördert, während des Feldzuges von 1866 als Chefarzt des Haupthospitals mit einer Spitalabteilung in Tauberbischofsheim gestanden hatte, wurde er zum Oberstabsarzt des Leibgrenadierregiments ernannt und im Frühjahr 1870 zur Funktion als Divisionsarzt kommandiert. Im Feldzug 1870/71 stand Dr. Hoffmann als Chefarzt des Belagerungskorps vor Straßburg, machte nach der Kapitulation der Festung an Stelle des erkrankten Korps-Generalarztes im Stabe des Generals v. Werder die Gefechte von Epinal, am Oignon, bei Nuits und Villersexel und die Schlacht bei Belfort mit und lehrte noch Beendigung des Feldzuges mit der badischen Division in die Heimat zurück.

Bei dem Inkrafttreten der Militärkonvention entschloss Oberstabsarzt Dr. Hoffmann sich mit schwerem Herzen, der ihm liebgewordenen militärarztlichen Laufbahn zu entsagen. Die Charakterisierung als Generalarzt und das Kommandeurkreuz des Zähringer Löwenordens mit Schwertern waren die öffentlichen Zeichen der Anerkennung von seiten seines Kriegsherrn, nachdem er schon während des Feldzuges das Eiserne Kreuz II. Klasse, sowie das Ritterkreuz das Karl-Friedrich-Militärverdienstordens erhalten hatte.

Seine reichen Erfahrungen aus dem Gebiete der Pflege und des Transports der Verwundeten und Kranken im Felde stellte Dr. Hoffmann den badischen Vereinen vom Roten Kreuz zur Verfügung als langjähriger Beirat der III. Abteilung des badischen Frauenvereins, als Vorstandsmitglied des Karlsruher Männerhilfvereins und als dessen Delegierter im Gesamtvorstand des badischen Landeshilfsvereins, in welchem er während mehrerer Jahre den Vorsitz führte.

Besondere Verdienste erwarb er sich durch die Ausarbeitung eines Mobilmachungsplanes für die Angehörigen der freiwilligen Krankenpflege und der Satzungen des freiwilligen Krankenträgerkorps des Karlsruher Männerhilfsvereins. Er nahm aber auch, in die Reihe der praktischen Ärzte zurückgetreten, tätigen Anteil an der Pflege der Interessen seiner Standesgenossen. Schon früher, im Jahre 1869, hatte ihn deren ehrendes Vertrauen in den Ausschuß der Ärzte im Großherzogtum Baden berufen, welchem er durch wiederholte Erwählung während 16 Jahren, zuerst als Schriftführer, dann als Obmann angehörte. Als im Jahre 1873 der Deutsche Ärztevereinsbund gestiftet werden sollte, wurde er als Delegierter zum ersten Ärztetag entsandt und nahm von da an bis zum Jahre 1883 auch an allen folgenden Delegiertenversammlungen Anteil, von 1876 an als Mitglied des Geschäftsausschusses, wobei er sich besonders als Referent in Fragen der deutschen Ärzteordnung betätigte. Mit dem Schluß des Jahres 1884 trat er aus dem Ausschuß der badischen Ärzte zurück, nachdem sein Wunsch, zu einem kräftigen Gedeihen der „Unterstützungsklasse für hilfsbedürftige badische Ärzte” mithelfen zu dürfen, in Erfüllung gegangen war. Nur dem Verwaltungsrat der ärztlichen Witwenkasse gehörte er auch weiterhin an.

Während vieler Jahre erfreute er sich in lebhaft eingreifender, umfassender Tätigkeit an dem Gedeihen der hauptsächlich aus seine Veranlassung ins Leben gerufenen Karlsruher Ferienkolonien. Regelmäßig besuchte er selbst die jugendlichen Ferienkolonisten in ihren Stationen im Murgtal und begrüßte sie am Bahnhof, wenn sie in blühendem Aussehen nach vierwöchigem Landaufenthalt wieder in die Hauptstadt zurückkehrten. Seit längerer Zeit als Mitglied in dem Verwaltungsrat der Allgemeinen badischen Versorgungsanstalt tätig, wurde Hoffmann im Jahre 1898 an Stelle des verewigten Präsidenten v. Regenauer († 1897)[2] zu dessen Vorsitzenden gewählt, als welcher er bis in die letzten Wochen seines Lebens die Interessen der von ihm hochgeschätzten gemeinnützigen Anstalt mit liebevollem Eifer pflegte.

Noch einmal, am 17. Oktober 1895, berührte ihn ehrenvoll ein Nachklang des öffentlichen Lebens, an dem er in früheren Jahren mit so großer Freude und Aufopferung und mit so reichem Erfolge teilgenommen hatte, als ihm zur Erinnerung an den großen Krieg von seinem Landesherrn, dessen besonderen Vertrauens er sich während seines ganzen Lebens erfreuen durfte, der Stern zum Kommandeurkreuz mit Schwertern des Zähringer Löwenordens verliehen wurde.

In seinem ärztlichen Berufe zeichnete Dr. Hoffmann sich durch gründliche Kenntnisse, scharfes Urteil, unermüdlichen Pflichteifer und eine wohlwollende Uneigennützigkeit aus. Viele, denen er seine ärztliche Hilfe angedeihen ließ, verehrten ihn gleichzeitig als zuverlässigen, treuen Hausfreund. Wie denn überhaupt die Signatur seines ganzen Wesens in einer nie trügenden Zuverlässigleit, in einer nie versagenden Hilfsbereitschaft, in einer nie erschütterten Wahrhaftigkeit bestand. In allen Verhältnissen des Lebens bewies er eine durch und durch ehrenhafte und unbeugsame Festigkeit des Charakters.

Die hervorragenden Eigenschaften seines Geistes und Herzens traten in besonders hellem Lichte in dem glücklichen Familienleben hervor, das ihm beschieden war, wenn es auch mehrmals durch harte Prüfungen schmerzlich berührt wurde:
Im August 1848 hatte er sich mit Elise Deimling, Tochter des damaligen Hofpredigers, vermählt. Nachdem er nach nur einjähriger Ehe seine Gattin und bald darauf die ihm von ihr geschenkte Tochter verloren hatte, vermählte er sich 1852 mit der Schwester seiner ersten Frau, Sophie Deimling, mit der er bis an sein Ende in glücklicher Ehe lebte, welcher ein Sohn und drei Töchter entsprossen sind.
Der Schmerz über den jähen Tod seiner zweiten Tochter, dem nach kurzer Zeit auch das Ableben seines hochbetagten Vaters folgte, im Jahre 1879, beugte ihn tief danieder und war der hauptsächlichste Grund, dass er sich von da an immer mehr vom öffentlichen Leben zurückzog.

Seit der Mitte der 1890er Jahre begannen seine Kräfte zu wanken, seine ärztliche Tätigkeit mußte immer mehr beschränkt werden, bis nach langer Krankheit des letzten Jahres sein ganz der Pflicht gewidmetes Leben nahe an der Vollendung des 77. Lebensjahres am 27. Oktober 1899 durch einen sanften Tod sein Ende fand.

Sein Biograph Friedrich v. Weech (1837–1905) schrieb über ihn:

„Ihm folgt in sein Grab die Hochachtung und Verehrung aller, die ihn kannten, die Liebe und Dankbarkeit jener, die ihm nähertreten durften. Sein Andenken wird im Segen fortleben in dem Lande, zu dessen besten Männern Adolf Hoffmann gehört hat.“

Literatur / Quelle

Dieser Artikel basiert auf

dort mit Literaturverweis Karlsruher Zeitung 1899, Nr. 323“

Fußnoten

  1. Das entspricht dem heutigen Rang Oberleutnant in der Bundeswehr. Siehe auch: Die deutschsprachige Wikipedia zum Thema „Oberleutnant“.
  2. Siehe Eintrag Regenauer, Eugen; von (Identifikations-Nr. 121565) in der Personendatenbank der Landesbibliographie Baden-Württemberg – Literaturnachweis im Eintrag dort: BadBi 5“ (lies: „Badische Biographien“, Band 5)